Berlin. Die deutsche SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles hat ihren Rücktritt von allen Ämtern angekündigt. "Die Diskussion in der Fraktion und die vielen Rückmeldungen aus der Partei haben mir gezeigt, dass der zur Ausübung meiner Ämter notwendige Rückhalt nicht mehr da ist", schrieb Nahles am Sonntag an die SPD-Mitglieder.

Sie werde daher am Montag im Parteivorstand ihren Rücktritt vom Parteivorsitz und am Dienstag in der Bundestagsfraktion auch ihren Rückzug vom Fraktionsvorsitz erklären. "Damit möchte ich die Möglichkeit eröffnen, dass in beiden Funktionen in geordneter Weise die Nachfolge geregelt werden kann", schrieb Nahles. Sie zieht damit die Konsequenz aus innerparteilicher Kritik nach dem SPD-Debakel bei der Europawahl und bei der Bremer Landtagswahl vor einer Woche. SPD-Vize Ralf Stegner sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es dürfe jetzt "keine Schnellschüsse oder Handeln aus der Ich-Perspektive geben".

Konsequenzen nach schlechtem EU-Wahl-Ergebnis

Nahles will sich einem Medienbericht zufolge komplett aus der Politik zurückziehen. Neben Partei- und Fraktionsvorsitz wolle sie auch zeitnah ihr Bundestagsmandat niederlegen, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf Nahles unmittelbares Umfeld. Der genaue Zeitpunkt müsse noch besprochen werden.

Parteichefin war Nahles im April 2018 geworden, nachdem sie eine maßgebliche Rolle dabei gespielt hatte, die SPD gegen große innerparteiliche Widerstände erneut in eine Große Koalition mit der Union zu führen. Die Fraktion leitet sie seit September 2017. In der Bundestagsfraktion war ihr Führungsanspruch bereits vor der Europawahl hinter den Kulissen von einzelnen infrage gestellt worden. Nach den Wahlen am vergangenen Sonntag forderten einzelne Abgeordnete offen, die Führungsfrage zu klären. Nahles hatte daraufhin angekündigt, sie werde die ursprünglich für September geplante Fraktionsvorsitzendenwahl auf den kommenden Dienstag vorziehen. Mögliche Herausforderer hatten sich auch bis zum Sonntag noch nicht gemeldet.

Nahles rief ihre Partei in ihrer Rücktrittsankündigung zum Zusammenhalt auf. "Bleibt beieinander und handelt besonnen", schrieb sie. "Ich hoffe sehr, dass es euch gelingt, Vertrauen und gegenseitigen Respekt wieder zu stärken und so Personen zu finden, die ihr aus ganzer Kraft unterstützen könnt."