Berlin. Die deutsche SPD wird nach dem Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles zunächst kommissarisch von einem Trio geführt werden. Die engere Parteiführung entschied sich dabei am Montag für die Ministerpräsidentinnen der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, sowie den hessischen SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel. Sie sollen sich den Parteivorsitz aufteilen, die Fraktion wird übergangsweise bereits vom dienstältesten Vize Rolf Mützenich geführt.

Die drei neuen Parteichefs wollen in der Folge aber nicht für den Parteivorsitz kandidieren, sagten sie am Montag. den Übergangsprozess nach dem Rücktritt von Nahles gestalten.

Diese hatte am Montag, wie angekündigt, ihr Amt zurückgelegt. "Ich habe mich gerade eben im Parteivorstand der SPD verabschiedet. Ich bin zurückgetreten", sagte Nahles beim Verlassen der SPD-Zentrale am Vormittag

Der Rücktritt von Nahles wirft einen Schatten auf die SPD. - © APAweb / AFP / Barbara Sax
Der Rücktritt von Nahles wirft einen Schatten auf die SPD. - © APAweb / AFP / Barbara Sax

Nahles hatte ihren Rückzug nach nur 13 Monaten an der Parteispitze bereits am Sonntagmorgen in einem kurzen Schreiben an die Parteimitglieder begründet. "Die Diskussion in der Fraktion und die vielen Rückmeldungen aus der Partei haben mir gezeigt, dass der zur Ausübung meiner Ämter notwendige Rückhalt nicht mehr da ist", schrieb sie. Nahles wird auch ihr Bundestagsmandat niederlegen und sich damit komplett aus der Bundespolitik zurückziehen.

Die Turbulenzen in der SPD gefährden auch die große Koaltion in Deutschland. Die SPD war nie begeistert davon, Juniorpartner der Union zu sein, und begründet ihre Regierungsbeteiligung mit staatspolitischer Verantwortung. Doch bei den Wählern hat ihr das wenig Dankbarkeit eingetragen, die Europawahl, bei der sie lediglich 15 Prozent der Stimmen bekam, war der harte Aufprall nach einem langen Sturzflug.

Nahles war immer eine Garantin für den Fortbestand der großen Koaltion,  weshalb die Union ihr auch nachtrauert. Auch von dem Trio, das nun an der Spitze steht, ist vorerst eine Fortsetzung der Koaltion zu erwarten. Doch insgesamt werden in den nächsten Tagen die Karten in der SPD neu gemischt. Vor allem die Parteilinke rund um den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert hat immer wieder gegen die große Koaltion polemisiert und hat nun die Chance, mehr Einfluss innerhalb der Sozialdemokratie zu gewinnen. Ihr weiteres Vorgehen will die Partei auf der nächsten Vorstandssitzung am 24. Juni beschließen.