Berlin. Die SPD steht mit dem Rückzug der Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles schlagartig vor weitreichenden Entscheidungen, die auch den Fortbestand der Regierung der größten Volkswirtschaft Europas infrage stellen könnten. Eine Konsequenz könnte eine Neuwahl des Bundestages noch in diesem Jahr sein. Die Frage, ob die SPD die in der Partei und in der Bevölkerung unbeliebte große Koalition fortsetzt, ist eng verknüpft mit der Neuordnung der Führung von Fraktion und Partei. Erste Stimmen aus der SPD fordern den Ausstieg.

Im Folgenden mögliche Szenarien:

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"Ich habe mich gerade eben im Parteivorstand der SPD verabschiedet. Ich bin zurückgetreten." Mit diesen Worten und einem Dank an die Journalisten verließ Nahles am Montagvormittag die Parteizentrale. Kurz zuvor hatten sich alle Teilnehmer der Parteivorstandssitzung erhoben und der Parteichefin zum Abschied applaudiert. Nahles ergriff nach Teilnehmerangaben mit Beginn der Sitzung das Wort, um ihren Rücktritt zu erklären. Mit kurzer Unterbrechung sei sie seit 1995 Mitglied des Parteivorstandes gewesen, sagte Nahles demnach. Ihr sei es daher ein Anliegen gewesen, in dem Gremium ihre Entscheidung zu erläutern.

Auf Nahles folgt für den Übergang eine Dreier-Spitze: Den kommissarischen SPD-Parteivorsitz übernehmen die Ministerpräsidentinnen von Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, sowie der scheidende hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel.

Erst am 24. Juni soll der Parteivorstand entscheiden, wie es weitergeht - ob die SPD den für Dezember anberaumten Parteitag vorzieht und ob die SPD erstmals eine Doppelspitze wählt. Manche würden gerne bereits bei den Landtagswahlen Anfang September in Brandenburg und Sachsen mit einer neuen Führung punkten.

Als mögliche Kandidaten für den Parteivorsitz galten Schwesig und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Schwesig nahm sich aber aus dem Rennen: "Mein Platz ist in Mecklenburg-Vorpommern." Weil hat bislang keine Ambitionen erkennen lassen, den Parteivorsitz anzustreben. Sein Name wird in der SPD aber immer wieder genannt, zumal er in schwierigem Umfeld die Landtagswahl im Herbst 2017 gewonnen hatte. Seither gab es für die SPD keine anderen Wahlsieger. Auch die gegen Nahles 2018 unterlegene Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange hält sich eine Kandidatur offen.