Berlin. Die Mitglieder der deutschen SPD sollen nach dem Willen von Generalsekretär Lars Klingbeil bei der Neubesetzung des Parteivorsitzes mitreden können. Mehrere Bewerber könnten "durchs Land ziehen und sich vorstellen", sagte er am Dienstag im Radiosender NDR Info. Auch der Landesparteichef der SPD von Nordrhein-Westfalen,  Sebastian Hartmann, bezeichnete eine Mitgliederbefragung als "geeigneten Weg". Klingbeil sagte zur Beteiligung der SPD-Basis, es sei "nun an der Zeit für eine andere Politik. Deswegen möchte ich gern, dass wir die Mitglieder beteiligen und in die Partei reinhorchen." Bewerber für den Spitzenposten könnten sich präsentieren "mit ihren unterschiedlichen Programmen und Profilen und mit der Frage, wie die Partei sich entwickeln soll". Es gehe hingegen jetzt "nicht darum, schnell einen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern".

Eine endgültige Entscheidung über den Parteivorsitz können die Mitglieder aber nicht fällen. Das Ergebnis einer Urwahl wäre lediglich eine Empfehlung für den Parteitag, der dann die Entscheidung trifft. Der SPD-Parteivorstand will das weitere Vorgehen in einer Sitzung am 24. Juni festlegen.

"Rote Linien überschritten"

Möglicherweise gibt es bei den deutschen Sozialdemokraten künftig auch eine Doppelspitze. Die kommissarische Parteichefin Malu Dreyer hält dies für möglich. Wenn bei der bevorstehenden Diskussion herauskommen sollte, dass die Mehrheit eine Doppelspitze wolle, "dann sind wir dafür offen", sagte sie am Montagabend in den ARD-"Tagesthemen". Dreyer führt die Partei seit Montag übergangsweise gemeinsam mit Thorsten Schäfer-Gümbel und Manuela Schwesig. Alle drei waren bisher Vizevorsitzende.

Schäfer-Gümbel kritisierte am Dienstag unfaire Umgangsformen in Teilen der Parteiführung. In den vergangenen Tagen habe "der eine oder andere die roten Linien der persönlichen Auseinandersetzung überschritten", sagte er am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Es gehe darum, auf transparente Weise einen "Übergang" zu schaffen, sagte er im ZDF. Ambitionen auf das Amt des Parteichefs haben weder Schäfer-Gümbel noch die anderen Mitglieder des Trios, Malu Dreyer und Manuela Schwesig.

Auch Klingbeil zeigte sich offen für eine Doppelspitze. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert sagte im Sender Radioeins ebenfalls, er schließe eine Doppelspitze nicht aus. Am Montag hatten bereits weitere prominente SPD-Vertreter Sympathien für eine Doppelspitze geäußert - darunter war laut Medienberichten auch der deutsche Außenminister Heiko Maas. Für eine Doppelspitze müsste zunächst das Parteistatut der SPD geändert werden.
Nahles hatte am Sonntag überraschend ihren Rückzug von ihren Ämtern angekündigt. Am Montag erklärte sie im SPD-Vorstand formal ihren Rückzug vom Parteivorsitz, am Dienstagnachmittag will sie auch in der SPD-Fraktion vom Vorsitz zurücktreten. (apa/afp)