Paris/Berlin/Wien. 15,8 Prozent bei der EU-Wahl waren zu wenig für die deutsche SPD, damit sich Andrea Nahles als Parteivorsitzende hält. Über ein derartiges Ergebnis hätte Laurent Wauquiez jubiliert. Doch dessen Republikaner (LR) schafften in Frankreich lediglich Platz vier und 8,5 Prozent. Bei der Wahl 2014 waren es noch 20 Prozent. Wie Nahles legte Wauquiez zwischenzeitlich den Parteivorsitz nieder. Er ziehe damit die Konsequenz aus dem Minusrekord, sagte der 44-Jährige.

Das Mitte-rechts-Lager in Frankreich gleicht einem Trümmerfeld. Im EU-Wahlkampf wurde es zwischen Marine Le Pens Rassemblement National und der Bewegung von Präsident Emmanuel Macron zerrieben. Dass Wauquiez mit EU-Kritik Anhänger von Le Pen zurückgewinnen wollte, trieb einen Teil der Stammwähler in die Arme des glühenden Europäers Macron. Nun zieht LR mit nur acht Mandataren in das Europäische Parlament ein - und stellt damit in der christkonservativen EVP-Fraktion lediglich einen Abgeordneten mehr als die ÖVP.

Im Gleichklang mit LR vollzieht sich der Niedergang der französischen Sozialisten. Bis vor zwei Jahren amtierte einer der ihren, Francois Hollande, als Präsident. Zwar war er der unbeliebteste Amtsinhaber im Elysee in der Geschichte der Fünften Republik. Die Rasanz der linken Verzwergung ist ein Alarmsignal für alteingesessene, aber krisengeplagte Parteien in ganz Europa.

Glucksmanns kurzer Zauber

Bei der EU-Wahl traten die Sozialisten als Teil eines Dreierbündnisses an. Dennoch erreichten sie nur noch 6,2 Prozent (minus 10,7 Prozentpunkte) und den sechsten Platz. Besser schnitten im Mitte-links-Spektrum die Grünen und die populistische La France insoumise ab.

Die Niederlage ist auch ein herber Rückschlag für den Listenersten der Dreierallianz, Raphael Glucksmann. Der Sohn des Starphilosophen Andre Glucksmann galt im vergangenen Herbst als neuer Star der Linken. Denn in seinem Buch "Die Politik sind wir!" nahm er Forderungen der Gelbwesten-Bewegung vorweg. Auch gegen Technokraten und Lobbyisten in Brüssel wetterte er in seinem Buch, bot aber keine Ideen an, wie die Union gemeinsam alle Europäer betreffende Herausforderungen lösen kann, etwa den Klimawandel.

Mit dem Niedergang von SPD, LR und Sozialisten bleibt in den beiden bevölkerungs- und wirtschaftsstärksten EU-Ländern nur die deutsche Union aus CDU und CSU übrig, die den Namen Volkspartei verdient; auch wenn knapp 29 Prozent bei der Europawahl ein historisches Tief bedeutet.