Kopenhagen/Wien. Eine politische Ära endet in Dänemark. 14 der vergangenen 18 Jahre stellte die rechtsliberale Venstre den Ministerpräsidenten. Gemeinsam mit dem "blauen Block" von Mitte-rechts-Parteien und dank Tolerierung durch die rechtspopulistische Dänische Volkspartei (DF) wurde das Land regiert. Mit der Wahl am Mittwoch hat der "rote Block" unter Führung der Sozialdemokraten die Mehrheit.

Deren Parteichefin Mette Frederiksen strahlte, hat doch die 41-Jährige alle Chancen, jüngste Regierungschefin Dänemarks zu werden. Es ist allerdings kein glänzendes Wahlergebnis für die Sozialdemokraten. Mit knapp 26 Prozent liegen sie sogar unter ihrem Wert bei der Wahl 2015.

Frederiksen setzte im Wahlkampf auf zwei Botschaften. Sie verspricht, die strikte Mitte-rechts-Linie bei Migration und Integration fortzusetzen und will mehr für den Wohlfahrtsstaat ausgeben. Beide Themen sind auch Kernanliegen der DF, deren Wähler den Rechtspopulisten scharenweise den Rücken kehrten. Sie stürzte von 21,1 auf 8,7 Prozent ab. Insofern ging Frederiksens Strategie auf, den "blauen Block" durch Übernahme seiner Themen zu schwächen.

- © M. Hirsch
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"Keine schnelle Lösung"

Die Kehrseite: Die Sozialdemokraten verschreckten damit linksliberale Wähler. Da nur zwei Prozent für den Einzug in das Parlament reichen, sind viele Wähler zu kleineren Parteien des roten Blocks abgewandert. Davon profitierten insbesondere die Sozialliberalen - politische Heimat der als EU-Kommissionspräsidentin gehandelten Margrethe Vestager - und die Sozialistische Volkspartei. Sie verdoppelten ihre Mandatszahlen.

Beide Parteien können nun den Preis für die Unterstützung einer sozialdemokratischen Minderheitsregierung in die Höhe treiben. Sozialliberalen-Chef Morten Östergaard versprach, Frederiksen bekomme eine Chance als Premierministerin - "wenn sie sich meiner Richtung anschließt". "Es gibt Meinungsunterschiede, ich erwarte keine schnelle Lösung", meinte Frederiksen.

Unisono fordern Sozialistische Volkspartei und Sozialliberale eine weniger restriktive Migrations- und Asylpolitik. Frederiksen schlägt - schwer mit dem Völkerrecht vereinbar - vor, dass Asylwerber ihre Anträge nur noch in Zentren außerhalb Europas einbringen dürfen und dort bleiben sollen. Die Sozialdemokraten haben in der vergangenen Legislaturperiode auch viele der 114 Verschärfungen des Venstre-geführten Ministeriums für Ausländer und Integration unterstützt.