London/Wien. Ihre Kritiker halten sie für die schlechteste Premierministerin aller Zeiten, mit ihrem Brexit-Deal hat sie im britischen Parlament eine historische Niederlage erlitten. Drei Mal stimmten die Abgeordneten gegen das Abkommen, das Theresa May mit der EU verhandelt hatte. Nach drei Jahren gab sie am Freitag ihr Amt als Parteichefin der konservativen Tories auf. Es war zugleich der Startschuss im Rennen um die Nachfolge der 62-Jährigen.

Eigentlich wollte May als die Premierministerin in die Geschichtsbücher eingehen, die den Brexit vollzogen hat. Stattdessen wird sich die Nachwelt daran erinnern, wie grandios sie daran gescheitert ist. "Brexit heißt Brexit", "Ich werde den Brexit liefern" – es waren inhaltsleere Aussagen wie diese, die May gebetsmühlenartig wieder und wieder in die Kameras sprach und die ihr das Image eines Roboters verschafften. Schon im Herbst 2016 tauchte der wenig charmante Spitzname "Maybot" (eine Zusammenführung von "May" und "Roboter") auf – und blieb. Daran war die Premierministerin nicht unmaßgeblich beteiligt. So gab sie etwa auf die Frage nach ihrer schlimmsten Jugendsünde an, als Kind durch die Weizenfelder gelaufen zu sein: "Die Bauern hat das sicher nicht gefreut."

Theresa May bei einem ihrer letzten Auftritte als Parteichefin der Konservativen anlässlich der D-Day-Feierlichkeiten am 6. Juni in der Normandie. - © APAweb / AFP, Ben STANSALL
Theresa May bei einem ihrer letzten Auftritte als Parteichefin der Konservativen anlässlich der D-Day-Feierlichkeiten am 6. Juni in der Normandie. - © APAweb / AFP, Ben STANSALL

Steifes Auftreten,einstudierte Antworten

Beim ersten Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel sah May, die alleine herumstand und an ihren Ärmeln zupfte, aus wie der seltsame Partygast den niemand kennt; am Strand in Cornwall aß sie umständlich aus einer Tüte Pommes und wirkte dabei, als wäre es das erste Mal – zumindest ohne Messer und Gabel. May wirkte oft unbeholfen, ihr Auftreten steif, ihre Antworten einstudiert.

Britische Premiers seit 1951 mit Parteizugehehörigkeit. - © APAweb
Britische Premiers seit 1951 mit Parteizugehehörigkeit. - © APAweb

In dem Versuch, ihre Partei im Streit um den EU-Austritt zusammenzuhalten scheiterte die Pastorentochter letztlich an allen Fronten: Die konservativen Tories sind unwiderruflich gespalten – und die Nation steckt in einer der schlimmsten Krisen seit dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg.

May, die vor dem Referendum von 2016 für den Verbleib in der EU gewesen war, vollzog nach ihrem Amtsantritt rasch eine Wende um 180 Grad. Der Satz "Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal" wurde zu ihrem neuen Mantra. Einmal Premierministerin, passte May ihr Narrativ immer mehr an die Hardliner innerhalb der konservativen Tories an. Sie hörte auf die Brexiteers rund um Steve Baker und Jacob Rees-Mogg von der mächtigen "European Research Group" – so etwas wie eine Partei innerhalb der Partei. Die ERG kämpft für einen möglichst harten Bruch mit der EU und trieb May von Anfang an vor sich her. Je schwächer sie wurde, desto stärker wurde die ERG. Und je stärker der rechte Tory-Flügel, desto wahrscheinlicher wurde ein EU-Austritt ohne Abkommen.