Athen. Nach ihrem Überraschungserfolg bei der Europawahl könnte eine neue rechtspopulistische Kraft auch bei der griechischen Parlamentswahl am 7. Juli eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Die Partei "Griechische Lösung" (Elliniki Lisi), die auf Anhieb 4,2 Prozent der Stimmen erreichte, droht nämlich die vom konservativen Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis erhoffte Machtübernahme zu erschweren.

"Das größte Problem liegt nicht auf der Linken, sondern auf der Rechten", zitierte die griechische Infoseite Euro2Day kürzlich einen Berater des Chefs der in den Umfragen führenden konservativen Nea Dimokratia (ND). Diese hat nämlich eine Zusammenarbeit mit der neuen rechtspopulistischen Partei ausgeschlossen. Deren Vorsitzender Kyriakos Velopoulos bietet rechtsgerichteten Wählern eine gemäßigte Alternative zur faschistischen "Goldenen Morgenröte" (Chrysi Avgi), die im In- und Ausland geächtet ist. Diese wurde bei der Europawahl auf nur noch 4,9 Prozent halbiert.

Verteidiger des orthodoxen Glaubens

Velopoulos präsentiert sich vor allem als Verteidiger der auf dem orthodoxen Glauben beruhenden griechischen Traditionen. Dass er einst in einer Teleshopping-Sendung Handschriften verkaufen wollte, die angeblich Jesus Christus zuzuschreiben seien, versucht er heute kleinzureden. Es handle sich um ein "Missverständnis", sagte er in Fernsehinterviews.

Die künftig mit einem Mandatar im Europaparlament vertretene Partei streckt indes schon die Fühler in Richtung möglicher europäischer Kooperationspartner aus. Velopoulos distanziert sich diesbezüglich von der französischen Rechtspopulistin und FPÖ-Kooperationspartnerin Marine Le Pen und sucht stattdessen die Nähe zum ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Inhaltlich bleibt die Partei ziemlich vage. Wie es sich für neue politische Bewegungen gehört, tritt sie für Politiker "ohne Abhängigkeiten" ein. Sie betont die wichtige Rolle der Armee als Garant der nationalen Unabhängigkeit und setzt auch sonst auf öffentliche Sicherheit und Durchsetzung von Gesetzen. "Wir träumen von einem Land mit Grenzen, aber einen Hellenismus ohne Grenzen und glauben an ein Vaterland", heißt es im Parteiprogramm. Klar thematisiert wird auch das Thema illegale Migration, die den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt Griechenlands bedrohe. "Die Griechen müssen ihre Heimat zurückerobern und ihre Sprache, Kultur und Religion zu bewahren."

Velopoulos, ein früherer Spitzenvertreter der orthodoxen Sammlungsbewegung LAOS, gilt als russlandfreundlicher Politiker. Lieber spricht er aber davon, dass in der griechischen Außenpolitik das "nationale Interesse" zu vertreten sei. Die Partei wolle eine flexible Außenpolitik "ohne Dogmatismus" in Bezug auf geopolitische und strategische Allianzen, heißt es in Anspielung auf die NATO-Mitgliedschaft des Landes. Oberste Priorität sei die Wirtschaft, mit Betonung auf Landwirtschaft, Tourismus und Schifffahrt. (apa/Filippos Sacharis)