Wien/Prishtina. Es war der Schlusspunkt des Zerfalls Jugoslawiens, das Finale eines blutigen Auflösungsprozesses, der 1991 mit der Abspaltung Sloweniens begonnen hatte: Vor 20 Jahren zogen sich jugoslawische Truppen und serbische Polizei aus dem Kosovo zurück, die Nato-geführte Kfor-Truppe rückte ein, die letzten Gefechte waren damit beendet. Ein Grund für den albanischen Teil der Kosovaren, den Jahrestag groß zu feiern. Die serbische Bevölkerungsminderheit sieht freilich keinen Grund zur Freude: Hier fühlt man sich diskriminiert - und vor allem marginalisiert. Dazu kommt, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder zu blutigen Zwischenfällen gekommen ist.

Nato begann im März 1999 mit Luftschlägen

Ende März 1999 begann die Nato mit Luftschlägen gegen Ziele in Jugoslawien, um den damaligen Präsident Slobodan Milosevic zum Einlenken zu zwingen. Bei Verhandlungen davor im Schloss Rambouillet bei Paris wollte Milosevic nicht in die Bedingungen einwilligen, zu denen eine Nato-Truppe im Kosovo stationiert werden sollte. Diese sollte den Krieg zwischen der kosovo-albanischen Befreiungsarmee UCK und den serbischen Sicherheitskräften stoppen. Die Vereinbarung sah vor, dass der Kosovo bei Serbien verbleiben, aber weitgehende Autonomie genießen sollte.

Kosovo-Vermittler: der jüngst verstorbene österreichische Diplomat Albert Rohan. - © APAweb
Kosovo-Vermittler: der jüngst verstorbene österreichische Diplomat Albert Rohan. - © APAweb

Bei den Wiener Statusverhandlungen nach dem Krieg, an denen der jüngst verstorbene österreichische Diplomat Albert Rohan als rechte Hand von UNO-Vermittler Martti Ahtisaari maßgeblich beteiligt war, strebte Serbien genau eine solche Lösung an. Die Kosovo-Albaner wollten zu diesem Zeitpunkt angesichts erlebter Massaker und Massenvertreibungen nichts außer die vollständige Unabhängigkeit akzeptieren. 2008 setzten sie diese mit Unterstützung der USA und anderer westlicher Staaten auch um - gegen den Widerstand Belgrads.

Albanisches Flüchtlingselend in Kukes, April 1999. - © afp
Albanisches Flüchtlingselend in Kukes, April 1999. - © afp

Deswegen ist die "Kosovo-Frage" weiterhin nicht ganz beantwortet. Was sich der Kosovo zur endgültigen Beilegung des Konflikts von Serbien erwartet, brachte jüngst Parlamentspräsident Kadri Veseli auf den Punkt. Zwei Dinge müssten noch erfolgen, so Veseli in der zwischen Albanern und Serben geteilten Stadt Mitrovica am "Tag der UCK-Helden": Dass Serbien den Kosovo als unabhängigen, souveränen Staat anerkennt und dass sich es sich vor Gericht für den "Völkermord an unserem Volk verantwortet". Unzufriedenheit mit dem Status quo und die Anschuldigung von Kriegsverbrechen - es gibt also auf beiden Seiten einige offene Wunden.

Proteste nach Bombardierung der chinesischen Botschaft. - © afp
Proteste nach Bombardierung der chinesischen Botschaft. - © afp

Seit dem Kriegsende und der Unabhängigkeitsausrufung kam es immer wieder zu Krisen. 2004 wurden bei dreitägigen, ethnisch motivierten Ausschreitungen von Kosovo-Albanern gegen Serben und andere Minderheiten 19 Menschen getötet und hunderte verletzt. Zahlreiche Häuser und kulturell bedeutsame Einrichtungen der serbisch-orthodoxen Kirche wurden zerstört oder beschädigt. 2011 zog der Konflikt um die Kontrolle der Grenze zu Serbien Straßenblockaden und Ausschreitungen nach sich. Ein kosovarischer Polizist wurde getötet, und die Kfor schritt einmal mehr ein. Die Besuche serbischer Politiker bei der serbischen Volksgruppe im Kosovo, die Abhaltung von Lokalwahlen im serbisch dominierten Nordkosovo oder die Pläne zur Schaffung einer regulären kosovarischen Armee waren im Vergleich dazu "kleinere Affären", doch stets mit der Angst vor neuer Gewalt verbunden.

Angriff auf Ziele im Kosovo: F-16 der Nato ist startklar. - © afp
Angriff auf Ziele im Kosovo: F-16 der Nato ist startklar. - © afp