Warschau/Washington. US-Präsident Donald Trump empfing am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr seinen polnischen Amtskollegen Andrzej Duda im Weißen Haus. Dieser brüstete sich mit dem Besuch beim wohl mächtigsten Mann der Welt. Binnen so kurzer Zeit sei wohl kein anderer polnischer Präsident so oft im Weißen Haus gewesen, sagt Duda der Zeitschrift "Sieci".

Dies sei eine außergewöhnliche Situation, meint er und hebt hervor: "Das sind keine Höflichkeitsbesuche, es werden gemeinsame Interessen besprochen." Für Polen gilt das vor allem für das Thema Verteidigung. Viele Polen sehen in den USA die Schutzmacht gegen eine russische Bedrohung, die an der Ostflanke der Nato seit Beginn der Ukrainekrise besonders stark wahrgenommen wird. Seit 2014 verlegen die Amerikaner Truppen in die Region; im Gegenzug kauft Warschau Rüstungsgüter von den USA.

Mehr US-Truppen in Polen?

Die "Financial Times" berichtete vor Dudas Besuch, die Regierungen in Washington und Warschau stünden kurz vor einer Vereinbarung, wonach die US-Truppenpräsenz in Polen von 4500 Soldaten um 1000 Soldaten erhöht werde. Duda will im Weißen Haus erneut für eine permanente US-Militärbasis in seinem Land werben, die er dem US-Präsidenten zu Ehren den Namen "Fort Trump" geben will. Bereits bei seinem Besuch in Washington im vergangenen September hatte der polnische Präsident angeboten, zwei Milliarden Dollar für einen solchen dauerhaften Stützpunkt der Amerikaner zu bezahlen.

Solche Offerte sind Wasser auf Trumps Mühlen, der regelmäßig beklagt, dass die USA Verbündete beschützen, ohne dafür bezahlt zu werden. Der US-Präsident kritisiert in diesem Zusammenhang immer wieder die unfaire Lastenverteilung in der Nato. Besonders hat er es dabei auf Deutschland abgesehen, dessen Verteidigungsausgaben Trumps Ansicht nach hinter den selbst auferlegten Nato-Verpflichtungen zurückbleiben. Lob bei dem Thema gibt es dagegen für Polen.

Einigkeit demonstrieren Washington und Warschau auch in einem anderen Punkt: Bei ihrer Ablehnung der Gas-Pipeline Nord Stream 2, die unter Umgehung von Polen und der Ukraine Gas von Russland nach Deutschland liefern soll. Die deutsche Regierung hält eisern an dem Projekt fest. Die USA versuchen ihrerseits, ihr Gas in Europa zu verkaufen. Mit Polen haben die USA einen über fünf Jahre laufenden Liefervertrag unterzeichnet. Polen hat ein eigenes Terminal gebaut, wo Schiffe mit US-Gas an Bord anlegen können.

Die Trump-Administration und die Regierung der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gelten als Brüder im Geiste. Von der Bevölkerung wurde Trump während seines Besuchs in Warschau im Juli 2017 umjubelt. Im Weißen Haus will Duda Trump persönlich zu den Gedenkveranstaltungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Polen einladen. "Wir zählen darauf, dass Präsident Donald Trump am 1. September in Polen sein wird", heißt es aus Dudas Kanzlei.