Wien. Da noch nicht fix ist, dass Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache das ihm dank Vorzugsstimmen zugefallene Mandat behält, steht die neue Österreicher-Riege im Europaparlament auch nach der Sitzung der Bundeswahlbehörde nicht ganz fest. Sicher ist, dass 13 der 18 Österreicher neu sind in Straßburg. Die Frauenquote wäre ohne Strache 50, mit ihm 44 Prozent.

Zugewiesen wurde dem über "Ibizagate" gestolperten Vizekanzler und FPÖ-Chef Strache von der Bundeswahlbehörde das zweite der drei FPÖ-Mandate - wie es das Gesetz bei Überschreiten der Fünf-Prozent-Vorzugsstimmenhürde vorsieht. Das erste bekam Delegationsleiter Harald Vilimsky, weil er noch mehr Vorzugsstimmen holte als Strache. In der Partei war man nicht begeistert von der Idee, dass Strache ins EU-Parlament einzieht; morgen, Donnerstag, gibt es noch ein Gespräch zwischen dem Ex-Chef und dem designierten Parteichef Norbert Hofer.

Nimmt Strache sein Mandat tatsächlich an, hätte das zwei Auswirkungen auf die EU-Riege: Die ohne ihn hohe Frauenquote von 50 Prozent würde auf 44 Prozent sinken. Denn Straches Einzug ginge zulasten der FPÖ-Abgeordneten Petra Steger - und die FPÖ hätte dann eine Frauenquote von Null. Und da Steger auch deutlich jünger ist als Strache - der heute, Mittwoch, 50 Jahre alt wurde - stiege das Durchschnittsalter um ein Jahr auf etwas über 48.

Der älteste wäre der Ex-FPÖ-Chef allerdings nicht. Das ist jetzt sowohl an Jahren (mit 61) als auch an Erfahrung (er ist seit 1999 EU-Parlamentarier) Othmar Karas. Der bisherige ÖVP-Delegationsleiter darf noch ein wenig weitermachen, erst 2020 muss er diese Funktion an die Listenzweite Karoline Edtstadler abgeben. Sie holte deutlich mehr Vorzugsstimmen als Karas.

Der künftig jüngste Österreicher kommt über das interne Vorzugsstimmenmodell der ÖVP ins EU-Parlament: Der niederösterreichische Bauernbündler Alexander Bernhuber (eigentlich Elfter auf der Liste) ist erst 27 Jahre alt. Ebenfalls ihren vielen Vorzugsstimmen verdankt die Tiroler Wirtschaftsfbündlerin Barbara Thaler, dass sie vom 8. Listenplatz den Sprung nach Straßburg schafft - obwohl die ÖVP nur sieben Mandate hat. Dass sich Bernhuber und Thaler durchsetzten, brachte den Ex-ORF-Star Wolfram Pirchner und den Burgenländer Christian Sagartz (auf Platz 6 und 7) um die Mandate.

In den anderen Parteien gab es keine Umreihungen durch Vorzugsstimmen. Nur die Spitzenkandidaten (bzw. bei den Grünen auch die Listenzweite Sarah Wiener) bekamen genug Nennungen für eine - in diesem Fall hinfällige - gesetzliche Vorreihung.