Darauf hingewiesen, dass Deutschland die Beitrittsgespräche selbst verzögere, wies der Staatsminister zurück. Ohne der Zustimmung des Deutschen Bundestags darf die Bundesregierung dem Start der Gespräche auf EU-Ebene nicht zustimmen. "Die Fortschrittsberichte sind sehr spät vorgelegt worden", sagte Roth. Der Bundestag habe nach eigener Einschätzung bisher zu wenig Zeit gehabt, sich damit angemessen zu befassen. Als Regierungsvertreter sei er verpflichtet, dem Deutschen Bundestag diese Zeit einzuräumen, so Roth. Dieser tritt erst wieder Ende September zusammen. Eine positive Würdigung erwarte er sich spätestens im Oktober. Das würde ein grünes Licht für die Beitrittsgespräche erst im Herbst bedeuten.

Der zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn warnte zuletzt, dass "nur mit einer glaubwürdigen Politik" werde es der EU gelingen, den "Reformprozess am Westbalkan voranzutreiben".

"Solange Nordmazedonien nicht enttäuscht ist, sind wir nicht enttäuscht", sagte Rumäniens Europaminister George Ciamba am Dienstag über die Verzögerung der Entscheidung, ob die EU-Länder Verhandlungen mit den Beitrittskandidaten aufnehmen wollen. Ciamba unterstrich die Bedeutung der Einhaltung eines "konstruktiven Ansatzes". Der Rat in Luxemburg, bei dem es zu einer gemeinsamen Erklärung der EU-Minister kommen soll, ist der letzte im Rahmen der rumänischen EU-Ratspräsidentschaft. Am 1. Juli übernimmt Finnland den Vorsitz.

Klimapolitik auf
die Tagesordnung gewandert

Am Dienstag stand im Vorfeld des Gipfels auch die Klimapolitik der EU auf dem Programm - Ende der Woche besprechen dann die EU-Spitzen, ob sich die EU auf das Ziel einer Treibhausgasneutralität im Jahr 2050 festlegen soll. Derzeit gibt es laut Schallenberg ein "sehr ausgewogenes Wording" im Schlussfolgerungsentwurf des Rates, der Minister erwartet sich Verschärfungen.

Unterdessen dämpft die deutsche Kanzlerin Angela Merkel Erwartungen für den EU-Gipfel am Donnerstag zu Entscheidungen des neuen Spitzenpersonals. Man werde in großer Ruhe, aber auch zielgerichtet" vor Zusammentritt des EU-Parlaments und der Wahl dessen Präsidenten entscheiden, sagte Merkel. Das Europäische Parlament tritt erst am 2. Juli zusammen. Es sei kein Nachteil, dass die deutsche Regierung sich zwar auf das Prinzip des Spitzenkandidaten, aber noch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt habe, so Merkel.