Großartiger Hilfseinsatz der Bevölkerung im Burgenland

Rund 600 bis 700 DDR-Bürger nutzten dann auch das Paneuropäische Picknick an der österreichisch-ungarischen Grenze nahe Sopron (Ödenburg) am 19. August 1989, als ein Grenztor symbolisch für drei Stunden geöffnet wurde, zur Flucht in den Westen - und überrumpelten damit die Veranstalter selbst: "Eigentlich war ausgemacht, dass nichts passieren und das ein rein symbolischer Akt sein sollte", erzählt Holzner. "Deshalb waren auch nur ein paar ungarische Grenzpolizisten und österreichische Zöllner dort. Hätte man auch nur irgendetwas geahnt, wäre wohl eine Hundertschaft an der Grenze gestanden. Bis heute ist nicht bekannt, wer damals die Einladungen gedruckt und unter den Ostdeutschen verteilt hat." Medien waren keine dabei: "Die hatten ja erwartet, dass lediglich ein paar Ungarn und Burgenländer im Gras sitzen und Wurstsemmeln essen und Bier trinken - wo wäre da die Story gewesen? Sie wurden ebenfalls von den Ereignissen überrascht."

Holzner war vor allem beeindruckt vom enormen Einsatz der burgenländischen Bevölkerung: "Da wurden blitzartig private Lager aufgebaut. Die Leute haben Zeug herangeschleppt - Wahnsinn." Viele Flüchtlinge hatten tatsächlich nichts mit als die Kleidung, die sie trugen, erinnert sich der Fotograf, der damals mit der Kamera live dabei war. In Erinnerung geblieben ist ihm unter anderem ein Kind, das im Burgenland zum ersten Mal in seinem Leben eine Banane aß. "Das waren sehr berührende Szenen."