Berlin. Die frühere Kandidatin für das Amt der deutschen Bundespräsidentin, Gesine Schwan, ist grundsätzlich zu einer Kandidatur für den SPD-Vorsitz bereit. "Wenn die Bitte an mich herangetragen würde und wenn die auch eine erhebliche Unterstützung hätte", würde sie dies tun, sagte Schwan am Dienstag im Deutschlandfunk. Noch sei es aber nicht so weit, dass sie sich aktiv bewerben wolle.

Denkbar sei für sie auch eine Doppelspitze mit dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, sagte Schwan. Diesen habe sie immer "fair und nachdenklich-argumentativ" erlebt. Ideologisch wären Schwan und Kühnert nicht auf einer Wellenlänge: Die 76-Jährige war an der Gründung des Seeheimer Kreises beteiligt, der den rechten Flügel der Sozialdemokratie im Bundestag abbildet. Schwan verteidigte die SPD-Spitze, als sich diese geschlossen für die Fortsetzung der großen Koalition in Berlin aussprach. Kühnert war dagegen einer der schärfsten Kritiker von Schwarz-Rot. Der Jungsozialist brach vor kurzem eine Debatte über die Verstaatlichung von Konzernen los.

Schwan kandidierte erfolglos als Bundespräsidentin. - © dpa
Schwan kandidierte erfolglos als Bundespräsidentin. - © dpa

Schwan sagt, sie habe mit Kühnert noch nicht über den Parteivorsitz gesprochen und sie glaube auch nicht, dass er jetzt Parteichef werden wolle. Sie verwies hierbei auf Kühnerts Alter - der Juso-Vorsitzende wird Anfang kommenden Monats 30. Und schweigt bisher, ob er als Parteivorsitzender kandidiert.

Eigentlich hätte sie sich auch nicht vorstellen können, dass für sie selbst einmal ein Sprung an die SPD-Spitze in Frage komme, sagte Schwan. "Aber es hat mich sehr beunruhigt - nicht nur der Zustand der SPD, sondern dass nach dem Rücktritt von Andrea Nahles keine der Personen, die man dafür für angebracht gehalten hätte, es wollte." Die Vorstellung, dass die SPD "wochenlang" ohne Bewerber für den Parteivorsitz dastehe, nannte Schwan "peinlich und bedrückend".

Schwan war 2004 von SPD und Grünen für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen worden. Sie unterlag Horst Köhler. 2009 verlor sie abermals gegen Köhler. Schwan war lange Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Später leitete sie die Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin, die jedoch bankrottging.

Die SPD will ihre Mitglieder bis Ende Oktober darüber entscheiden lassen, wer den Parteivorsitz übernehmen soll. Bis zum 1. September könnten sich Führungsduos und Einzelkandidaten bewerben.