Berlin. "Es gab einige generelle Drohungen gegen Carola", sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Watch am Mittwoch. "Deshalb haben wir sie an einen geheimen Ort gebracht. Über ihre weiteren Reisepläne werden wir uns nicht äußern."

Ein Gericht in Sizilien hatte am Dienstag den Hausarrest gegen Rackete aufgehoben. Die 31-Jährige hatte mit dem Schiff Sea-Watch 3 und 41 Flüchtlingen an Bord trotz eines Verbots der Behörden im Hafen von Lampedusa angelegt und dabei kurzzeitig ein Boot der italienischen Behörden an die Kaimauer gedrängt. Die Richterin in Sizilien urteilte aber, Rackete habe nicht gegen das Gesetz verstoßen und auch keine Gewalttat begangen. Vielmehr habe sie ihre Pflicht erfüllt, Menschenleben zu schützen.

Rackete könnte damit nur noch wegen Beihilfe zu illegalen Immigration angeklagt werden. Bis zum 9. Juli wird Rackete jedoch in Italien bleiben müssen. An diesem Tag muss sie vor der Staatsanwaltschaft von Agrigent erscheinen, um auf Fragen bezüglich der gegen sie laufenden Untersuchung wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung zu antworten.

Salvini kritisiert Richter und fordert Justizreform

Italiens Innenminister Matteo Salvini fordert die sofortige Ausweisung der "Sea-Watch 3"-Kapitänin, Carola Rackete, die am Dienstag dank eines Richterspruchs aus dem Hausarrest entlassen wurde. Salvini drängt, dass Rackete sofort nach Deutschland zurückgeschickt werde und nicht auf eine am 9. Juli geplante Vernehmung warte, bei der es um das Vergehen der Beihilfe zur illegalen Einwanderung geht.

"Die Justiz müsste uns erklären, ob wir Fräulein Rackete in ein Flugzeug nach Berlin setzen können, oder ob wir sie beim Shoppen in Portofino sehen werden, bis sie das Leben anderer Polizisten gefährden wird", sagte Salvini am Mittwoch im Gespräch mit Journalisten. Den Beschluss einer sizilianischen Untersuchungsrichterin, Rackete freikommen zu lassen, bezeichnete der Innenminister als "skandalösen Beschluss".

Salvini sprach sich für eine Reform des Justizsystems in Italien aus, weil zu viele Richter seiner Ansicht nach politisch beeinflusst seien. Es müsse zu neuen Regeln in Sachen Anstellung, Ausbildung und Förderung der Richter kommen. (reuters, apa, dpa)