Es war ein Blitzbesuch in einem freundlich gesinnten Land: Der russische Präsident Wladimir Putin reiste am Donnerstag zu einer Ein-Tages-Visite nach Italien, wo er in Rom unter anderem mit Präsident Sergio Mattarella, Premierminister Giuseppe Conte und Papst Franziskus zusammentraf. Außerdem sprach Putin noch mit seinem alten politischen Freund, Ex-Premier Silvio Berlusconi,  den er in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" hymnisch lobte. "Silvio ist ein Politiker von Weltformat, ein wahrer Leader, der die Interessen seines Landes auf dem internationalen Parkett fördert", sagte Putin. Berlusconi habe sich stets stark für die Entwicklung guter Beziehungen Italiens zu Russland eingesetzt.

Letzteres ist ein Befund, der auch auf Matteo Salvini zutrifft. Italiens Innenminister, der der Politik seines Landes dermaßen seinen Stempel aufdrückt, dass es zuweilen den Anschein hat, als hieße der Premierminister Salvini und nicht Conte, pflegt ebenfalls enge Beziehungen zum Kreml. Auch er traf im Rahmen eines Abendessens mit Putin zusammen. Seine Partei, die Lega, hat – ebenso wie die österreichische FPÖ – mit der russischen Regierungspartei "Geeintes Russland" ein Kooperationsabkommen abgeschlossen. Putin betonte vor seinem Italien-Besuch die engen, freundschaftlichen Beziehungen zur Lega: "Unsere Standpunkte sind übereinstimmend. Salvini kennt die russische Realität gut."  Der italienische Innenminister ist oft in Moskau zu Gast und setzt sich immer wieder lautstark für ein Ende der Russland-Sanktionen der EU ein.

Drittes Putin-Treffen mit Papst Franziskus

Auf ein solches Ende hofft man in Moskau, wo die Wirtschaft stagniert und unter dem Druck der Sanktionen von USA und EU leidet. Dass mit Ursula von der Leyen in Zukunft eine deklarierte Transatlantikerin die EU-Kommission leiten soll, dürfte Moskaus Karten auch nicht wesentlich verbessern. Dennoch bemühte sich Putin, freundliche Nasenlöcher zu machen: "Wie sie sich auf diesem neuen Posten zeigen wird, wissen wir nicht", sagte der Kreml-Chef beim Treffen mit Conte. "Wir rechnen aber damit, dass die Führung der EU ein Interesse an der Wienerherstellung vollwertiger Beziehungen zu Russland hat." Er hoffe, im Falle der Wahl von der Leyens bessere Beziehungen zu Brüssel aufbauen zu können.

Der erste Programmpunkt bei Putins Visite war ein Besuch bei Papst Franziskus im Vatikan. Es war bereits das dritte Mal, dass der Kreml-Chef mit dem Argentinier zusammentraf. Der Papst empfing Putin mit einem Lächeln und einem festen Händedruck. Themen der Unterredung waren die Situation in Syrien, die Lage der Christen im Nahen Osten und der Konflikt in der Ukraine. Am Freitag empfing der Papst dann noch Swjatoslaw Schewtschuk, den Erzbischof der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine. Diese Kirche, die den orthodoxen Ritus verwendet, sich ansonsten aber seit dem 16. Jahrhundert dem Papst unterstellt hat, ist der Orthodoxie, vor allem aber dem Moskauer Patriarchat ein Dorn im Auge. Seitens der griechischen Katholiken in der Ukraine hat es auch heftige Kritik an dem Treffen des Papstes mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I.  im Februar 2016 gegeben. Die griechisch-katholische Kirche war zu Sowjetzeiten in die offizielle russisch-orthodoxe Kirche zwangseingegliedert. Bis heute gibt es Streit um Kirchengebäude und Klöster. (apa/dpa)