Brüssel/Berlin. (czar/da) Eine "Europäerin von Herzen und mit Überzeugung": Mit dieser Selbstdarstellung versuchte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im EU-Parlament für sich zu werben. Die CDU-Politikerin ist Kandidatin für den Posten der künftigen Kommissionspräsidentin - nominiert haben sie allerdings die Regierungen der EU-Staaten. Das EU-Abgeordnetenhaus muss dies bestätigen - und daher war von der Leyen am Mittwoch auf Werbetour bei den Parlamentsfraktionen in Brüssel.

Doch einer ihrer wichtigsten Auftritte steht in der kommenden Woche, wahrscheinlich am Dienstag, in Straßburg an. Bei der Plenarsitzung soll die Ministerin den Mandataren Rede und Antwort stehen - bevor es zum Votum kommt. Für ihre Wahl zur Kommissionspräsidentin benötigt die Kandidatin eine absolute Mehrheit, also 376 Befürworter.

Das Zählen der Stimmen hat dabei schon lange vor der Abstimmung begonnen. Mit der Unterstützung der EVP kann die CDU-Politikerin rechnen. Die größte Fraktion hat 182 Mitglieder. Ihr Vorsitzender Manfred Weber, der selbst den Anspruch auf den Posten des Kommissionspräsidenten erhoben hatte, hat sich schon in der Vorwoche für von der Leyen ausgesprochen.

Sozialdemokraten zögern

Auch mit Rückhalt aus der liberalen Gruppierung "Europa erneuern" mit ihren 108 Mandataren kann die Ministerin rechnen. Immerhin ist der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, dessen Bewegung einen Teil der liberalen Parteienfamilie stellt, ein Fürsprecher von der Leyens. Eine Garantie für Zustimmung wollte Fraktionsvorsitzender Dacian Ciolos nach dem Treffen mit von der Leyen dennoch nicht abgeben. Er sehe aber dem Votum "sehr positiv" entgegen.

Doch bräuchte die deutsche Politikerin Stimmen auch aus anderen Fraktionen - etwa von den Sozialdemokraten. Zwar werden sie wohl nicht aus den Reihen der deutschen und österreichischen Abgeordneten kommen, die bereits ihre Ablehnung kund getan haben. Doch die zwei Gruppen stellen gerade einmal 21 EU-Mandatare von den insgesamt 153 sozialdemokratischen Volksvertretern. Fraktionsvorsitzende Iratxe Garcia war jedenfalls nicht so skeptisch wie ihre deutschen Genossen.

Überzeugt war sie nach der Zusammenkunft mit von der Leyen am Mittwoch allerdings auch nicht. Daher habe die Parteienfamilie ihre Entscheidung über die Unterstützung auf kommende Woche vertagt, erklärte Garcia. Die Sozialdemokraten hätten "spezifische Forderungen" gestellt und würden nun Antworten abwarten.