Rom/Moskau. Sechs Männer sollen es gewesen sein: Am 18.Oktober 2018 haben sich in dem Moskauer Metropol Hotel drei Italiener und drei Russen getroffen, um Pläne für eine "große Allianz" zu diskutieren.  Vordergründig ging es um ein Ölgeschäft. Doch eigentlich soll es um einen Deal gegangen sein, wonach Millionen von US-Dollar an die rechtspopulistische Lega-Partei vom italienischen Innenminister Matteo Salvini gespendet werden könnten: Als Unterstützung für den EU-Wahlkampf. Das berichtet das Medienportal Buzzfeed am Donnerstag. Eine dem Medium zugespielte Audio-Aufnahme bestätige dies. Einer der Italiener wäre ein enger Mitarbeiter von Salvini gewesen. Die Russen wären Vertrauensleute von Russlands Präsident Wladimir Putin gewesen. Das Treffen habe angeblich anlässlich eines Besuchs Salvinis in Moskau im Oktober stattgefunden.

Die erste Reaktion Salvinis: Er drohte Buzzfeed mit Klagen. 

Doch der Bericht von Buzzfeed bestätigte einen im vergangenen Februar erschienenen Bericht des italienischen Nachrichtenmagazins "L'Espresso", wonach es bei dem Treffen in Moskau um eine Finanzierung des Wahlkampfes der Lega für die EU-Parlamentswahlen im Mai gegangen sei. Damals sei über eine Lieferung mehrerer Tonnen Erdöl durch einen russischen Energiekonzern, vermutlich Rosneft, an ein norditalienisches Unternehmen verhandelt worden. Von dem ausgehandelten Preisrabatt sollte die Lega profitieren.

Salvini dementierte den Bericht vehement und drohte mit Klage. "Ich habe keinen einzigen Rubel oder Euro als Finanzierung von Russland erhalten", versicherte Salvini auf Facebook. Die Oppositionsparteien in Italien glauben ihm nicht und forderten den Lega-Chef auf, sich vor dem Parlament zu erklären.

"Nach dem Ibiza-Gate in Österreich scheinen die Buzzfeed-Enthüllungen zu bestätigen, dass es obskure Beziehungen zwischen Russland und national-populistischen Parteien gibt", kommentierte Benedetto Della Vedova, Chef der Oppositionspartei "+ Europa" am Mittwoch. "Russische Rubel an die Lega für ihre Wahlkampagne gegen den Euro? Salvini muss sofort eine Erklärung geben", sagte der Chef der oppositionellen Demokratischen Partei (PD), Nicola Zingaretti.

Die ausländerfeindliche Lega, die seit Juni 2018 in einer Koalition mit der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung in Rom regiert, hat ebenso wie die FPÖ eine Kooperationsvereinbarung mit Putins Partei Einiges Russland abgeschlossen. Salvini, der sich gegen die EU-Sanktionen gegen Russland ausspricht, hat auch bereits mehrmals Moskau besucht. Am vergangenen Donnerstag hatte Salvini Putin in Rom nach dessen Besuch beim Papst getroffen. (apa)