Ankara/Brüssel. Außenminister Alexander Schallenberg hat Sanktionen der EU im Streit um Gasbohrungen vor Zypern angekündigt. "Wir werden heute eine Reihe von Maßnahmen gegen die Türkei beschließen, unter anderem weniger Geld, weniger Kreditvergaben durch die EIB, Aussetzung der Verhandlungen zum Luftverkehrsabkommen", sagte Schallenberg Montag vor einem EU-Außenministerrat in Brüssel.

Die Haltung der EU sei "nur logisch", betonte Schallenberg. Die EU habe die Besetzung Nordzyperns durch die Türkei völkerrechtlich nie anerkannt. Daher stehe die EU auch hinter dem Wunsch Zyperns, selbst über seine Ressourcen zu bestimmen. Selbstverständlich seien auch noch weitere Sanktionen möglich. "Wir stehen absolut hinter Zypern", betonte Schallenberg.

EU wertet Bohrungen als illegal

Die Türkei will an ihren Erdgas-Bohrungen vor der Küste Zyperns festhalten. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Sonntag, die Bohrungen würden fortgesetzt, wenn die griechisch-zypriotische Regierung in Nikosia einen Kompromissvorschlag des türkischen Nordens der geteilten Insel nicht akzeptiere.

Die türkischen Zyprioten hatten der international anerkannten griechisch-zypriotischen Regierung nach türkischen Angaben am Samstag eine Zusammenarbeit angeboten. Die Regierung in Nikosia sieht in den Bohrungen durch zwei türkische Schiffe Verstöße gegen internationales Recht. Auch die Europäische Union, deren Mitglied Zypern ist, wertet die Bohrungen als illegal. Wegen der Bohrungen erwägt die EU Sanktionen gegen die Türkei.

Die EU und Zypern betrachten ein Gebiet von bis zu 200 Seemeilen um die seit 1974 geteilte Insel, die sogenannte ausschließliche Wirtschaftszone, als ihr Einflussgebiet. Im östlichen Teil des Mittelmeers sind große Öl- und Gas-Vorkommen entdeckt worden.