Wien. Die Bankenmärkte in Zentral- und Osteuropa haben im vergangenen Jahr "absolute Rekorde" erreicht. Das berichtete die Raiffeisen Bank International (RBI) in ihrer Bankenstudie am Dienstag.

Die Analysten der RBI zeigten sich von der Wirtschaftslage in Mittel- und Osteuropa positiv beeindruckt. Besonders interessant sei die Eigenkapitalrentabilität (ROE), die in den Kernregionen Zentraleuropa, Südosteuropa und Osteuropa 2018 mit über 12 Prozent "deutlich im zweistelligen Bereich liegt", so der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der RBI, Gunther Deuber. In Tschechien, Rumänien und Russland betrug sie im vergangenen Jahr über 14 Prozent.

Erfolg schwer wiederholbar

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Als Eigenkapitalrentabilität versteht man das Verhältnis des Gewinns eines Unternehmens zum Eigenkapital. Je höher die Eigenkapitalrendite ist, desto wirtschaftlicher arbeitet ein Unternehmen. In Westeuropa liegt der ROE, so Deuber, derzeit bei nur sechs bis sieben Prozent. Die positive Entwicklung der Profitabilität führt die RBI auf die Verbesserung der Kreditqualität und auf das hohe Kreditwachstum zurück.

Zwar sei Vorsicht geboten: Die Zahlen seien auch auf "Einmaleffekte" zurückzuführen und demnach heuer nicht so leicht zu wiederholen. Trotzdem prognostiziert die RBI solides Wachstum. Ein Befund, der sich mit den Forschungen des WIIW, des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche, deckt: Dessen Ökonomen hatten vor kurzem die Wachstumsprognosen für Mittel- und Osteuropa angehoben - und darauf verwiesen, dass die Region von der beginnenden weltweiten Flaute zumindest derzeit noch relativ unberührt bleibt.

Die Profite in den vier Visegrad-Staaten - Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei - und in Südosteuropa haben 2018 den "absoluten Höchstwert aus den Zeiten vor der globalen Finanzkrise deutlich überschritten", berichtet Deuber. Für die Gesamtregion Mittel- und Osteuropa (MOEL) seien die Profite nicht ganz so hoch ausgefallen, was vor allem daran liege, dass der russische Markt sich noch nicht vollständig erholt habe. Dennoch habe es auch in Russland "massive Erholungseffekte" gegeben, und die RBI erwartet in den kommenden Jahren kräftiges Wachstum. Positiv ist auch, dass die Quote notleidender Kredite in den MOEL-Staaten nun einstellig ist: In Österreichs Nachbarländern Tschechien, Ungarn und der Slowakei beträgt sie zusammengenommen nur 3,3 Prozent. Insgesamt soll es im kommenden Jahr im osteuropäischen Raum ein abgeschwächtes, aber solides Kreditwachstum geben.

Fokus auf Visegrad-Staaten

Die österreichischen Banken sind mit 62 Prozent ihrer Assets in der Region vor allem in den Visegrad-Ländern vertreten. Der zweitgrößte Teil des Vermögens liegt mit 27 Prozent im südosteuropäischen Raum. Lediglich 11 Prozent entfallen auf die Länder Russland, Ukraine und Weißrussland. Von dem Geschäft, das ausländische Banken in ganz Mittel- und Osteuropa machen, entfallen 42 Prozent auf österreichische Banken, so Deuber. Das entspreche den Höchstwerten von vor 2008. "Die österreichischen MOEL-Banken scheinen wieder mehr Appetit und Spielraum für Wachstum in der Region zu haben", sagt er.