Berlin/Wien. Die Überraschung war groß, als klar wurde, dass CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer neue deutsche Verteidigungsministerin wird. Sie und nicht Gesundheitsminister Jens Spahn springt in die Lücke, die Ursula von der Leyen aufgerissen hat. Die künftige Kommissionschefin hat ihren Einsatz im Poker um den EU-Job in letzter Sekunde erhöht, ihren Job in Berlin geschmissen und alles auf die europäische Karte gesetzt.

Politische Beobachter sind sich einig, dass auch Kramp-Karrenbauer ein großes Risiko eingegangen ist. Blickt man auf die Bilanz früherer Verteidigungsminister, wirkt der Posten wie ein Schleudersitz. Das ist vor allem dann eine ungünstige Perspektive, wenn man, wie Kramp-Karrenbauer, eines Tages Kanzlerin Angela Merkel im Amt beerben will.

Anfeindungen

Die deutsche Bundeswehr ist kein einfaches Pflaster, vor allem für eine Frau. Die meisten Offiziere sind Männer, Frauen werden, auch wenn das vehement bestritten wird, mit gebotener Skepsis betrachtet. FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff bezeichnete Kramp-Karrenbauer jedenfalls als "Zumutung".

Von der Leyen kann ein Lied von Anfeindungen, Kritik und Geringschätzung singen. Kramp-Karrenbauer, die ebenfalls nicht gedient hat, wird es kaum anders ergehen. Dazu kommt, dass sich die Bundeswehr in den letzten Jahren zum Sorgenkind entwickelt hat. Nach Rückschlägen und Verlusten an Menschenleben im Kampfeinsatz will man hier vor allem eines: Anerkennung. Bleibt die aus und wird Kritik geübt - wie es bei von der Leyen der Fall war - kommt das ganz schlecht an. Dabei ist nach zahlreichen Fällen von Rekruten-Schikanen und sexuellen Übergriffen unübersehbar, dass es bei der Bundeswehr ein strukturelles Problem gibt. Der Fall des rechtsradikalen Offiziers Franco A. machte deutlich, dass zahlreiche Bundeswehr-Soldaten immer noch ein nostalgisches Verhältnis zur Wehrmacht pflegen. Als von der Leyen in diesem Zusammenhang von einem "Haltungsproblem" bei der Bundeswehr sprach, war Feuer am Dach. Seitdem geht die Rede von einem inneren Bruch zwischen Ministerin und Soldaten um. Da war es schon beinahe ein Randproblem, als ruchbar und schließlich offiziell bestätigt wurde, dass das Sturmgewehr der Bundeswehr, G36, serienmäßig schief und damit am Ziel vorbei schießt.

Zum Risiko bereit