Rom/Agrigent. Kapitänin Carola Rackete gehört nicht mehr zur Besatzung des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3". Ihr Anwalt Alessandro Gamberini erklärte: "Jetzt ist sie nicht mehr Mitglied der Crew. In ihrem Leben war sie nicht nur Schiffskapitänin. Sie wird anderes machen." Rackete rief unterdessen die EU zu einer Lösung für die Verteilung der im Mittelmeer geretteten Migranten auf. "Es ist mir sehr wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es gar nicht um mich als Person, sondern um die Sache gehen soll", betonte die Deutsche in Agrigent.

In der sizilianischen Stadt wurde Rackete mehrere Stunden lang von Staatsanwälten befragt. Nach eigenen Angaben habe sie den Ermittlern die Hintergründe der Landung der "Sea-Watch 3" mit 40 Migranten an Bord Ende Juni erklärt. Nachdem das Schiff in Italien angelegt hatte, wurden gegen die Kapitänin Vorwürfe erhoben – wegen möglicher Beihilfe zu illegaler Einwanderung sowie Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und gegen ein Kriegsschiff.

Innenminister verklagt

Ihr Anwalt protestierte gegen die "Kriminalisierung" von Nichtregierungsorganisationen, die im Mittelmeer Migranten retten. Gamberini warf dem italienischen Innenminister Matteo Salvini vor, ein Klima des Hasses zu nähren. Rackete hatte den Chef der rechtspopulistischen Partei Lega vergangene Woche wegen Verleumdung verklagt. Dieser hatte die 31-Jährige unter anderem als "Nervensäge" und "verbrecherische Kapitänin" bezeichnet und erklärt, Rackete habe "versucht, fünf italienische Soldaten zu töten".

Die 31-Jährige war am 2. Juli nach der Entscheidung einer Ermittlungsrichterin in Agrigent aus dem Hausarrest entlassen worden. Noch ist derzeit unklar, ob sie in Italien bleiben wird. (apa)