Helsinki. Die EU-Innenminister haben sich bei Gesprächen in der finnischen Hauptstadt Helsinki vergeblich um eine Einigung auf eine Übergangsregelung zur Verteilung von im Mittelmeer geretteten Migranten bemüht. Es hätten sich nicht genügend Länder bereit erklärt, bei einer von Deutschland und Frankreich vorangetriebenen Initiative mitzumachen, sagte Luxemburgs Minister Jean Asselborn am Mittwochabend.

Allerdings haben sich dann am Donnerstag Deutschland, Frankreich, Italien, Malta und das EU-Vorsitzland Finnland darauf verständigt, einen "temporären Notfallmechanismus" für in Seenot geratene Flüchtlinge einrichten zu wollen. Ein solcher soll - auch für den Fall, dass sich nicht alle der derzeit 28 Mitgliedstaaten der EU daran beteiligen werden - spätestens im September operativ werden.

Nach Angaben des deutschen Innenministers Horst Seehofer soll es weitere Detailverhandlungen mit den EU-Ländern am kommenden Montag in Paris geben. Geplant sei ebenfalls ein Sondertreffen im September auf Malta.

"Kontrolliertes Vorgehen"

Bis dahin werde es notgedrungen so wie bisher eine umständliche Telefondiplomatie für jeden Einzelfall geben, erklärte der CSU-Politiker auf Anfrage einer Journalistin. Gleichzeitig betonte er, Deutschland habe letztlich bisher immer eingewilligt, die betroffenen Flüchtlinge vorläufig zu übernehmen. Es sei für ihn klar, dass die Europäer zuallererst die Verpflichtung hätten, Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Zu dem angestrebten Notfallmechanismus gehörten allerdings als weitere Punkte nach den akuten Rettungsmaßnahmen ein "kontrolliertes Vorgehen" bei der Seenotrettung, die Unterbindung von Menschenschlepperei sowie Übereinkommen mit Nichtregierungsorganisationen über eine geordnete Vorgehensweise, betonte Seehofer. (apa)