Brain-Drain schafft auch Gewinner

Auch Bulgarien beschäftigt Gastarbeiter, wenn auch nicht aus dem ganz so fernen Osten wie in Rumänien: In den Badeorten am Schwarzen Meer kommen die Kellner und Zimmermädchen auch aus der Ukraine, Weißrussland und Moldau.

Die westliche Politik scheint die Abwanderung anzuheizen: Im bitterarmen Kosovo hat jüngst der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn eine Schule besucht, in der Pflegekräfte aus dem Land für Deutschland ausgebildet werden. Auch die als Vorzeige-Gymnasium geltende Deutsche Schule im kosovarischen Prizren gilt als Brain-Drain-Lokomotive. Bis zu 30 Maturanten pro Jahrgang wird ein Ausbildungsvertrag in Deutschland angeboten. Kaum einer von ihnen ist nach der Ausbildung je zurückgekehrt.

Aus Sicht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg profitiert Deutschland von den Zuwanderern aus Südosteuropa. "Sie sind meist jung, die Beschäftigungsquote ist annähernd vergleichbar mit der der Deutschen", sagt IAB-Migrationsforscher Herbert Brücker. In diversen Branchen wie Bau, Pflege und Gastronomie würde es ohne diese Kräfte eng, da sich kaum deutsche Bewerber fänden. "Da findet kein Verdrängungswettbewerb statt", meint Brücker. Nach IAB-Erkenntnissen hat die Aussicht auf attraktive Jobs im Westen den Bildungshunger gestärkt. In manchen Ländern Ost- und Südosteuropas habe sich die Akademikerquote deutlich erhöht, so Brücker.

Hart ins Gericht mit Berlin geht Tado Juric, Politologe und Bevölkerungsexperte an der Katholischen Universität in Zagreb. Deutschland solle seine demografischen Probleme nicht durch Zuwanderung aus Südosteuropa zu lösen versuchen. "Ich halte es für unfair, dass sich Deutschland auf unser aller Kosten selbst rettet." Die EU müsse sich mit dem Problem der "unfairen Migration" befassen, sagte Juric der dpa. "Wenn diese Trends andauern, droht dieses Land Kroatien zu verschwinden." (apa, dpa, Kathrin Lauer, Elena Lalowa, Gregor Mayer)