Paris. Ungeachtet von Protesten aus Italien sieht Deutschland Fortschritte bei der geplanten Flüchtlingsumverteilung in der EU. "Ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden Wochen eine Lösung finden werden", sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas am Montag nach einem Treffen von Vertretern der EU-Länder in Paris.

Maas befand, Europa könne weiter "eine schnelle und pragmatische Lösung" finden. "Dafür genügt es, wenn alle einen Schritt aufeinander zugehen." In diesem Jahr seien bereits mehr als 400 Migranten beim Versuch der Überfahrt über das zentrale Mittelmeer ums Leben gekommen. "Es ist mit meinem Verständnis von Europa nicht vereinbar, dass wir uns mit dieser Katastrophe vor unseren Küsten einfach abfinden." Frankreich hofft auf einen Kompromiss bis September.

Italien kündigte dagegen weiteren Widerstand an. Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega-Partei erklärte auf Twitter, sein Land sei "nicht mehr länger das Flüchtlingslager für Brüssel, Paris oder Berlin".

Bei den Beratungen der europäischen Außen- sowie der Innenminister - Österreich war auf hoher Beamtenebene vertreten - in Paris ging es erneut um einen Verteilmechanismus für Flüchtlinge, die aus Seenot im Mittelmeer gerettet werden. Maas warb dabei um "eine Koalition der Hilfsbereiten", die auch Frankreich unterstützt. Dafür gebe es positive Signale aus einigen Staaten, sagte er. Um welche Länder es sich handelt, ließ der SPD-Politiker offen. Die EU-Staaten seien zwar noch nicht am Ziel, aber "weiter als wir bisher jemals waren", betonte Maas.

Zwölf bis 15 Länder wollen "mehr Humanität" zeigen

Aus der französischen Regierung hieß es, bis September könne eine Einigung mit "zwölf bis 15" Ländern gefunden werden, um "mehr Humanität" bei der Ankunft von Migranten an der Mittelmeerküste zu zeigen. Mit der Koalition aufnahmewilliger Staaten wollen Deutschland und Frankreich verhindern, dass Schiffe zur Seenotrettung lange vor europäischen Häfen liegen müssen, bevor sie anlegen dürfen.

Der italienische Innenminister Salvini nahm an dem Pariser Treffen nicht teil. Die Regierung in Rom weigert sich, Rettungsschiffe in ihre Häfen zu lassen. Gemeinsam mit Malta hatte Italien vergangenen Donnerstag bei einem Treffen der EU-Innenminister in Helsinki auch einen deutsch-französischen Kompromissvorschlag für eine Übergangslösung abgelehnt. Er sah vor, dass beide Länder ihre Häfen öffnen und ankommende Migranten dann zeitlich befristet auf andere Länder verteilt werden. Der österreichische Innenminister Wolfgang Peschorn, der an dem Treffen vergangene Woche in Helsinki teilnahm, zeigte sich danach zuversichtlich, dass eine gemeinsame Lösung gefunden werden könne.