Madrid, Rom. Die spanische Regierung wird ein Marineschiff zum vor der italienischen Insel Lampedusa liegenden Rettungsschiff "Open Arms" schicken. Die "Audaz" solle die "Open Arms" von dort bis zum Hafen von Palma de Mallorca begleiten, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung.

Das Schiff werde seit der Früh nahe der andalusischen Stadt Cádiz für die Überfahrt vorbereitet. Die Regierung in Madrid halte dies für die "angemessenste Lösung", hieß es.

Sie hatte der "Open Arms" nach einer wochenlangen Weigerung Italiens, die Migranten an Land zu lassen, am Montag den nächstgelegenen spanischen Hafen angeboten. Das sind Menorca oder Mallorca. Jedoch sah sich die NGO nicht in der Lage, in der prekären Lage an Bord allein noch tagelang quer über das Mittelmeer zu fahren.

Neun Migranten wurden vom Schiff der NGO Open Arms in ein Spital auf Lampedusa evakuiert, rund 100 sind noch auf dem Boot. - © APAweb / Handout Open Arms, Francisco Gentico via Reuters
Neun Migranten wurden vom Schiff der NGO Open Arms in ein Spital auf Lampedusa evakuiert, rund 100 sind noch auf dem Boot. - © APAweb / Handout Open Arms, Francisco Gentico via Reuters

Migranten springen ins Meer

Die dramatische Lage auf der "Open Arms" spitzt sich nach mehr als zweieinhalb Wochen auf See weiter zu. Mehrere Migranten sprangen am Dienstag von Bord des vor der süditalienischen Insel Lampedusa blockierten Schiffes ins Meer und versuchten an Land zu schwimmen. Fünf von ihnen wurden nach Lampedusa gebracht.

Die Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" berichtete von 17 Personen, die ins Wasser gesprungen waren, um Lampedusa zu erreichen. Sie wurden von der NGO oder der Küstenwache gerettet. Einer der Migranten weigerte sich an Bord des Schiffes zurückzukehren. Wegen seines vehementen Protests wurde er nach Lampedusa geführt, berichteten italienische Medien. Andere Migranten wurden von der Küstenwache an Bord des Schiffes zurückgebracht, sprangen aber erneut ins Meer, um die rund 700 Meter entfernte Küste zu erreichen. Die Szenen wurden von Touristen gefilmt.

"Explosive Situation"

Der sizilianische Staatsanwalt, Luigi Patronaggio, sprach von einer "explosiven Situation" an Bord. Es sei wichtig, die Sicherheit aller Personen an Bord des Schiffes zu garantieren. Auch der Bürgermeister von Lampedusa, Salvatore Martello, der am Montagabend an Bord des Schiffes gegangen war, erklärte sich besorgt. "Die Menschen an Bord sind verzweifelt. Viele von ihnen haben Folter während ihrer Gefangenschaft in Libyen erlitten", so der Bürgermeister der Insel. Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, bezeichnete die "Open Arms" als "schwimmendes Konzentrationslager".

Italien verweigert dem Schiff mit den geretteten Migranten an Bord weiter die Landung. Bereits am Sonntag waren vier Migranten ins Meer gesprungen, um zu versuchen nach Lampedusa zu schwimmen. Sie waren von Mitgliedern der Crew wieder an Bord gebracht worden. Fast hundert Migranten befanden sich am Dienstag noch an Bord des Schiffes.

Salvini bleibt hart

Obwohl sich mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, zur Aufnahme von Flüchtlingen von der "Open Arms" bereit erklärt haben, will der italienische Innenminister Matteo Salvini die Migranten nicht von Bord lassen.

Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli, der für die Häfen seines Landes zuständig ist, erklärte sich am Montagabend bereit, Schiffe der Küstenwache zur Verfügung zu stellen, um die "Open Arms"-Migranten nach Spanien zu führen.

Unterdessen machte die EU-Kommission Druck auf die EU-Mitgliedstaaten für eine Lösung im Fall der "Open Arms". "Wir rufen alle EU-Mitgliedstaaten und NGOs zur Zusammenarbeit auf, um den Migranten so rasch wie möglich die Landung zu ermöglichen", so EU-Kommissionssprecherin Natasha Bertaud. (apa)