Paris. Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich zuversichtlich geäußert, dass im Streit mit der EU über den EU-Austritt seines Landes eine Lösung gefunden wird. Johnson sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris, er sei ermutigt durch die Gespräche, die er am Vortag mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin geführt habe. Demnach könne man einen Weg im Brexit-Streit finden.

Die EU schließt allerdings eine Neuverhandlung des Vertrags, wie sie Theresa Mays Nachfolger Johnson beharrlich fordert, aus.  Nur formulierte Merkel es ein wenig diplomatischer als Macron. So  hatte der französische Präsident schon vor Johnsons Antrittsbesuch in Paris dessen Brexit-Plänen eine klare Absage erteilt. Die Forderungen Johnsons nach einem Aufschnüren des Brexit-Vertrages und insbesondere der Verzicht auf die Vereinbarungen zur Gestaltung der Grenzkontrollen zwischen Irland und dem britischen Nordirland seien impraktikabel, sagte Macron. Sollte es Ende Oktober zu einem ungeregelten Ausscheiden Großbritanniens aus der EU kommen, sei dies auf die Regierung in London zurückzuführen und nicht auf die Europäische Union.

Macron: USA können nicht EU ersetzen

Macron warnte Johnson auch vor der Vorstellung, ein Handelsvertrag mit Amerika könne Großbritannien vor wirtschaftlichen Einbrüchen schützen: "Können die Kosten für einen harten Brexit von den USA ausgeglichen werden? Nein!" Ein Mitarbeiter des französischen Präsidentenbüros hatte zuvor erklärt, Frankreich halte mittlerweile einen harten Brexit für wahrscheinlich.

Johnson hatte bereits am Dienstag bei Bundeskanzlerin Angela Merkel um ein Aufschnüren des von seiner Vorgängerin Theresa May mit der EU ausgehandelten Vertrages geworben. Sollte es dazu nicht kommen, will Johnson spätestens am 31. Oktober Großbritannien ohne Brexit-Vertrag aus der EU führen. Allerdings erwarten Ökonomen in dem Fall starke wirtschaftliche Rückschläge, die vor allem Großbritannien treffen sollten. Grund ist, dass dann jahrelang gewachsene Handelsbeziehungen abrupt gekappt werden. (apa, reuters)