Dresden. Im Prozess um den tödlichen Messerangriff auf den 35-jährigen Daniel H. in der ostdeutschen Stadt Chemnitz, dem rassisitsch motivierte Übergriffe von Rechtsradikalen folgten, ist der Angeklagte Alaa S. am Donnerstag vom Landgericht Chemnitz zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidiger legten gleich nach der Verkündung Rechtsmittel ein.

Aus Sicherheitsgründen fand das Verfahren nicht in Chemnitz, sondern in einem Gebäude des Oberlandesgerichtes in Sachsens Hauptstadt Dresden statt.

Anklage hatte zehn Jahre gefordert

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag in ihrem Plädoyer eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren für den Angeklagten wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die Höchststrafe bei Totschlag beträgt 15 Jahre. Die drei Vertreter der Nebenklage gingen am Donnerstag in ihren Plädoyers über diesen Antrag hinaus und forderten eine Gesamtfreiheitsstrafe von elf Jahren.

Die Verteidigung argumentierte hingegen, es gebe keine Beweise, dass Alaa S. gemeinsam mit einem bisher flüchtigen Tatverdächtigen aus dem Irak den 35-Jährigen mit Messerstichen getötet und einen weiteren Mann schwer verletzt hatte.

Der Syrer soll der Anklage zufolge am 26. August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfests gemeinsam mit einem Iraker den 35-jährigen Deutschen Daniel H. erstochen haben. In der Folge der Messerattacke war es in der Stadt zu rassistisch motivierten Übergriffen und Demonstrationen mit rechtsextremen Äußerungen gekommen, die mehr als das Verbrechen selbst die internationale Aufmerksamkeit auf Chemnitz lenkten.

Der Streit um die Frage, ob es im Zuge dieser Übergriffe "Hetzjagden" auf Migranten gegeben habe, wurde auf deutscher Bundesebene zur Zerreißprobe für die Große Koalition aus Union und SPD - und führte letztlich dazu, dass der damalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, seinen Posten verlor. (apa/afp/dpa)