Divergenzen bestehen zwischen den beiden Parteien vor allem in der Europa-Politik. Die Fünf Sterne zeigten sich bisher sehr europakritisch. In den 14 Monaten ihrer Regierung haben sie zwar auf provokante Forderungen nach Italiens Austritt aus der Europäischen Union und dem Euroraum verzichtet, ihre Grundeinstellung gegenüber der EU bleibt aber durchaus europaskeptisch. Die Fünf-Sterne-Bewegung scheute nicht, in Sachen Defizit mit Brüssel auf Konfrontationskurs zu gehen, um einige ihrer umstrittensten Reformen, wie die Einführung eines Grundeinkommens, durchzusetzen. Die Sozialdemokraten sind dagegen stark proeuropäisch und profilieren sich als Garanten konstruktiver Beziehungen mit der neuen EU-Kommission unter der Führung von Ursula von der Leyen.

Regierungsleitung fraglich

Eine offene Frage ist auch, wer die Leitung einer möglichen Regierung aus PD und Fünf Sterne übernehmen soll. Als stärkster Koalitionspartner hätten die Fünf Sterne das Recht, den Ministerpräsidenten zu stellen. Gern würde Di Maio wieder den zurückgetretenen Regierungschef Giuseppe Conte einsetzen, der mit seinem neutralen und ausgewogenen Verhalten in den vergangenen Monaten von einem unbekannten Rechtsanwalt zu einem der populärsten Politiker im Land avanciert ist. Der PD will aber einen klaren Bruch mit der vergangenen Populistenregierung und stemmt sich daher entschieden gegen eine Regierung Conte II.

Aussichten auf den Regierungschefposten werden derzeit dem amtierenden Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Roberto Fico, eingeräumt. Der gebürtige Neapolitaner, der als Anführer des "linken" Flügels der Fünf-Sterne-Bewegung gilt, hatte sich öfters gegen den scharfen Anti-Migranten-Kurs der verbündeten Lega gewehrt und sich damit den Applaus der Linken erworben.

Unterdessen wird die Forderung, erstmals in der italienischen Geschichte eine Frau zur Ministerpräsidentin zu ernennen, immer lauter. Als Kandidatin gilt Marta Cartabia, parteiunabhängige Verfassungsrichterin seit 2011 und Vizepräsidentin des Verfassungsgerichts seit 2014. Valerio Onida, emeritierter Präsident des Verfassungsgerichts, meinte, wie bereits in Österreich mit Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein könnte auch in Italien eine Verfassungsrichterin zur Regierungschefin aufrücken. (apa, Micaela Taroni)