Rom. (apa) Populisten sind gut im Wahlkampf, aber schlecht im Regieren. Das hat die gescheiterte Regierung in Italien in den letzten 14 Monaten bewiesen. Nach dem Bruch der streitsüchtigen Koalition mit der Lega will die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung in Italien weiterregieren. Parteichef Luigi Di Maio ist zum Königsmacher der Regierungsverhandlungen aufgerückt.

Noch nie war der 33-jährige Fünf-Sterne-Chef und Vizepremier Di Maio politisch so umworben. Die rechtspopulistische Lega um Innenminister Matteo Salvini, die den Koalitionsstreit bereits schwer bereut und laut Umfragen bedeutende Stimmenverluste erlitten hat, versucht verzweifelt, die zerbrochene Allianz wieder zu kitten. Die Lega wird dabei jedoch mit starker Konkurrenz aus den Reihen der Sozialdemokraten (PD - Partito Democratico) konfrontiert, die bereits Gespräche mit Di Maio für einen Regierungspakt gestartet haben. Die PD hofft nach der historischen Pleite bei den Parlamentswahlen im März 2018 auf ein Comeback in Rom.

Ambitioniertes Programm

Von einer polternden Protestpartei zur Regierungskraft: Seit ihrer Gründung 2009 wirbelt die Fünf-Sterne-Bewegung die italienische Politik auf. Keine andere politische Gruppierung kann auf einen derartigen Aufstieg in Italien zurückblicken. Kurz vor dem zehnten Gründungsjubiläum am 4. Oktober muss die Bewegung jetzt auch zeigen, ob sie sich nach der ersten, eher enttäuschenden Regierungserfahrung zur zuverlässigen politischen Kraft mausert, die Italien bis Ende der Legislaturperiode 2023 führt. Die "Regierung des Wechsels", die Lega und Fünf Sterne im Juni 2018 aus der Taufe gehoben hatten, ist an politischer Unerfahrenheit und krassen Divergenzen in den Visionen der beiden Koalitionspartner gescheitert. Jetzt müssen die Fünf Sterne beweisen, dass sie die Sozialdemokraten für ihr Zehn-Punkte-Programm gewinnen können.

2007 hatte der italienische Starkomiker Beppe Grillo begonnen, sich mit Politik zu beschäftigen. Seinen ersten politischen Auftritt hatte er in Bologna, mit einer von ihm einberufenen Großkundgebung, dem "Vaffa-Day" ("Leck-mich-Tag"). Zehntausende strömten zur Protestkundgebung gegen die Traditionsparteien. Vor allem junge, enttäuschte Wähler aus der Linken zählten zu Grillos frühen Anhängern. Aber auch bei vom damaligen Premier Silvio Berlusconi enttäuschten Wählern konnte Grillo mit seinen Slogans gegen Korruption und die "Technokraten" in Brüssel punkten. Seine Forderung nach einer Mindestsicherung und ökologischen Wende kam gut an.