Berlin. (dpa/reu) Die Pläne für einen Mietendeckel in Berlin haben Anleger am Montag einmal mehr aus Immobilienwerten vertrieben. Vor allem bei den Aktien der auf Berlin fokussierten Konzerne Deutsche Wohnen und Ado Properties hinterließ der Entwurf von Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) mit neuen Tiefstständen seit Ende 2016 und Mitte 2017 Spuren. Die Deutsche-Wohnen-Aktien brachen zeitweise um fast 5 Prozent ein.

Senatorin Lompscher will in der deutschen Hauptstadt eine Obergrenze von knapp 8 Euro pro Quadratmeter für nahezu alle Mietverhältnisse einführen - unabhängig von der Lage der Wohnung. Bei Mieten, die über den Obergrenzen liegen, sollen die Bewohner über Anträge bei den Bezirksämtern zu viel gezahlte Beträge zurückfordern können.

Bei den Plänen handle es sich um eine Mietkürzung statt einer Bremse, erklärt Thomas Rothaeusler, Analyst bei der Investmentbank Jefferies. Die niedrig angesetzte Obergrenze werde das Mietniveau in Berlin deutlich senken. Damit sieht der Experte ein klares Risiko für sein Basisszenario, in dem er bisher von lediglich stagnierenden Mieten ausgeht. Rothaeusler hält den Gesetzentwurf indes für unverhältnismäßig und nicht verfassungsgemäß. Die Wohnungswirtschaft reagierte mit ähnlicher Kritik.

Millionenminus bei Einnahmen

Börsianer sahen die Berliner Pläne trotz aller Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit als erneuten schweren Dämpfer für die Branche. Vonovia bestätigte zwar vorerst die Jahresziele für 2019, befürchtet aber Auswirkungen auf seine Geschäfte. Sollten die Pläne Wirklichkeit werden, würden sie die Mieteinnahmen im Jahr 2020 mit 20 bis 25 Millionen Euro belasten, teilte das Unternehmen mit. Das entspräche rund 10 Prozent der Mieteinnahmen in Berlin und rund 1 Prozent der Mieteinnahmen im Konzern. Man habe außerdem ernsthafte Zweifel, dass das Einfrieren der Mieten verfassungskonform sei. Der Einfluss auf die Bewertung des Berliner Portfolios ab 2020 sei noch gar nicht abzuschätzen. An der Börse sackten die Vonovia-Titel am Montag um 2,3 Prozent ab und waren mit Abstand größter Verlierer im DAX.