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Zagreb. Scharfe Kritik, die Vertreter der serbischen Minderheit in Kroatien nach einer Reihe von nationalistisch motivierten Übergriffen äußerten, hat ebenso harsche politische Gegenreaktionen ausgelöst. Premier Andrej Plenkovic rief seinen Koalitionspartner Milorad Pupovac (Bild) von der serbischen Minderheitspartei SDSS auf, nicht zur Polarisierung der Gesellschaft beizutragen.

Für einen Eklat sorgte Pupovac, der nicht nur die Regierung, sondern auch die katholische Kirche und Veteranenorganisationen gegen sich aufbrachte, mit der Aussage, Kroatien sei zu einem Faktor der Instabilität in der Region geworden. In einem Interview mit dem bosnischen Internetportal radiosarajevo.ba begründete er seine Kritik mit der schlechten Situation in Bezug auf die ethnische Toleranz im Land. Er kritisierte auch einen zunehmenden Geschichtsrevisionismus und Versuche, die faschistische Ustascha-Bewegung zu rehabilitieren. Die Verantwortung dafür schrieb er einzelnen politischen Parteien, Veteranenorganisationen und Kirchenvertretern zu. In einer früheren Aussage zog der langjähriger Volksgruppenpolitiker zudem Parallelen zwischen dem jetzigen Kroatien und dem faschistischen NDH-Staat der Ustascha, einem Vasallenstaat Nazi-Deutschlands.

Als "höchst unangemessen und inakzeptabel" bezeichnete Plenkovic nun die Aussagen seines Koalitionspartners über Kroatien als Instabilitäts-Faktor und das NDH-Regime. "Das stimmt nicht. Wir weisen solche Thesen entschieden zurück." Erneut wandte er sich auch gegen Beschwerden über ein gegenüber Minderheiten intolerantes Klima.

Nationalistische Töne unüberhörbar

Auch die kroatische Bischofskonferenz wies "die manipulativen Aussagen" Pupovacs zurück. "Seine Aussagen bringen Unruhe unter die kroatischen Bürger und verbreiten Misstrauen", hieß es. Die Veteranen warfen Pupovac am Mittwoch die Destabilisierung des Landes vor und forderten Ermittlungen, weil er mit seinen Aussagen die Ehre des Staates verletzt habe.

Doch nicht nur Minderheitenvertreter, sondern auch kritische Medien beklagten einen zunehmenden Nationalismus. Nationalistische Töne prägen auch den laufenden Wahlkampf vor der Präsidentschaftswahl.