Dresden/Potsdam/Wien. 23,5 Prozent in Brandenburg, sogar 27,5 Prozent in Sachsen - das beste Ergebnis, das die AfD je bei einer Landtagswahl erzielt hat. Nach den beiden Wahlgängen am Sonntag werden die guten Nachrichten für die deutschen Nationalpopulisten nicht abreißen: Bei der Landtagswahl in Thüringen Ende Oktober kann die AfD abermals mit mehr als 20 Prozent rechnen. Mit Ausnahme der Bundeshauptstadt Berlin sind die Ost-Bundesländer mittlerweile blaue Bastionen. Und das nur sechs Jahre nach Parteigründung.

Dafür sind rechtsnationale Wähler und die schwammige Abgrenzung führender AfD-Politiker zum Rechtsextremismus mitverantwortlich. Bereits 2014, vor Aufkommen des Flüchtlingsthemas, erreichte die AfD in drei ostdeutschen Bundesländern knapp oder mehr als zehn Prozent.

Vor allem aber findet sich im Osten ein außergewöhnlich großes Protestwählerpotenzial. Diese Personen suchen ein Ventil, verlangen aber oftmals keine Sachlösungen. In der Regel landen diese Stimmen bei Kleinparteien, die dann nicht den Einzug in die Parlamente schaffen. Zwischen Elbe und Oder war diese Klientel ein Garant für den Erfolg der Linkspartei, die sich als Anwalt der Ostdeutschen inszenierte. Nun hat sie in der AfD einen neuen Vertreter. Die Linkspartei verlor in Sachsen 8,5 Prozentpunkte und landete bei nur mehr 10,4 Prozent. Kein Wählerstrom weg von ihr war größer als jener zur AfD.

Protestvotum der ehemaligen Nichtwähler

Auch schaffte die AfD, woran die etablierten Parteien scheitern: Sie bringen frühere Nichtwähler scharenweise wieder zu den Urnen zurück. 241.000 waren es in Sachsen, fast dreimal so viel wie ehemalige CDU-Wähler, die ins blaue Lager wechselten. Wer zurück an die Wahlurne kommt, wählt oft Protest. Ebenso in Brandenburg, wo die AfD fast doppelt so viele Stimmen von ehemaligen Nichtwählern bekam wie von früheren Anhängern von CDU, SPD, Linkspartei, Grünen und anderen Parteien zusammengerechnet.

Im Jubiläumsjahr des Mauerfalls zündete die AfD-Forderung nach einer "Wende 2.0", eine Gleichsetzung der diktatorischen DDR mit der heutigen Bundesrepublik. 30 Jahre nach der Wende und 1,6 Billionen Euro an öffentlichen Geldern für den "Aufbau Ost" später stagniert die Wirtschaftsleistung bei 70 Prozent des gesamtdeutschen Niveaus, rund 30 Prozent der Ost-Bürger arbeiten im Niedriglohnsektor.

Wer sich um seine Zukunft sorgt, wählt AfD. Das ergaben Befragungen im Auftrag der ARD. Acht von zehn ihrer Anhänger in Brandenburg bejahen die Befürchtung, das Leben werde sich zu stark verändern - bezeichnenderweise liegen Wähler der Linkspartei an zweiter Stelle. Sogar 92 Prozent der AfDler sorgen sich vor einem zu starken Islam, obwohl nicht einmal drei von 1000 Brandenburgern Muslime sind.