Brüssel/Wien. Die Betonung liegt auf Stärke. Und auf dem "europäischen Lebensmodell". Ursula von der Leyen wollte nicht zuletzt den Zusammenhalt der EU beschwören, als sie am Dienstag in Brüssel die Ressortzuteilung in der künftigen EU-Kommission bekanntgab. Als deren designierte Präsidentin wünscht sie sich eine Behörde, die "mit Entschlossenheit" geführt werde, sich auf akute Probleme konzentriere und Antworten liefere.

Herausforderungen für die Gemeinschaft gibt es denn auch genug. Welche sie zu den größten zählt, macht von der Leyen durch die Verteilung der Aufgaben deutlich. So hat sie ihre drei exekutiven Vizepräsidenten, die mächtigsten ihrer Stellvertreter, mit den Themen des Klima- und des digitalen Wandels sowie Wirtschaft betraut. Frans Timmermans soll einen europäischen "grünen Deal" koordinieren, Margrethe Vestager die Union für das digitale Zeitalter rüsten und gleichzeitig weiterhin als Hüterin des Wettbewerbs agieren. Valdis Dombrovskis wiederum soll sich um eine Wirtschaftspolitik kümmern, die "für die Menschen arbeitet".

Ursula von der Leyen hat die Aufgaben unter ihren Kommissaren verteilt. - © reuters/Yves Herman
Ursula von der Leyen hat die Aufgaben unter ihren Kommissaren verteilt. - © reuters/Yves Herman

Damit sind aber auch gleich die Bereiche umrissen, mit denen sich die EU in einem größeren Umfeld beschäftigen muss. Klimaschutz, Wettbewerb, ebenso wie Außenpolitik: Hier hat sich die Union global zu behaupten - und bestenfalls eine starke Position einzunehmen. Vestager hat sich schon bisher als Wettbewerbskommissarin den Unmut mancher multinationalen Konzerne zugezogen, gegen die sie wegen Wettbewerbsverzerrungen Strafmaßnahmen einleitete. Und wie sich die künftigen internationalen Beziehungen gestalten werden, ist noch offen.

Denn die USA etwa liegen nicht nur mit China im Handelsclinch - was sich übrigens ebenso auf europäische Unternehmen niederschlägt. Washington droht auch den Europäern direkt: mit der Verhängung von Sonderzöllen auf Autos beispielsweise. Maßnahmen zum Schutz der eigenen Wirtschaft hat es schon ergriffen.

Hilfestellung für Unternehmen

Neben dem Protektionismus der USA ist die EU auch mit dem wachsenden Selbstbewusstsein Chinas konfrontiert, das wiederum auf die Weltmärkte drängt - freilich ohne seinen eigenen Markt völlig öffnen zu wollen. Chinesische Unternehmen entwickeln mittlerweile High-Tech-Produkte in großem Maßstab und pochen etwa beim Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes in Europa auf Marktzugang.