Der tschechische Präsident Milos Zeman will die Anerkennung des Kosovos durch sein Land rückgängig machen. Darüber wolle er mit den höchsten Regierungs- und Parlamentsvertretern in Prag verhandeln, sagte der 74-Jährige nach Angaben der Agentur CTK am Mittwoch am Rande eines Besuchs in Belgrad.

Demnach sagte Zeman, ein Staat, an dessen Spitze Kriegsverbrecher stünden, gehöre nicht in die Gemeinschaft demokratischer Staaten. Die mehrheitlich von Albanern bewohnte frühere südserbische Provinz hatte 2008 einseitig ihre Unabhängigkeit verkündet und wurde seitdem von zahlreichen Staaten anerkannt, darunter auch von Tschechien und Österreich.

Der kosovarische Regierungschef Ramush Haradinaj war im Juli zurückgetreten, nachdem ihn ein in Den Haag angesiedeltes Sondergericht zur Verfolgung von Kriegsverbrechen während des Kosovokrieges (1998-99) zur Anhörung vorgeladen hatte. Zugleich wies Haradinaj die Vorwürfe zurück.

Zeman stellte bei seiner Ankunft in Belgrad am Dienstagabend ferner fest, dass er "Serbien und das serbische Volk sehr gerne" habe, allerdings "nicht den Kosovo", berichteten Belgrader Medien.

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic zollte Zeman Anerkennung. Serbien werde selten von einem Freund, wie es Milos Zeman sei, besucht. Auch sei Belgrad dem tschechischen Präsidenten für seine Standpunkte zum Kosovo "sehr dankbar", meinte Vucic bei der gemeinsamen Pressekonferenz.

Der tschechische Außenminister Tomas Petricek versuchte indes zu beschwichtigen. Tschechien habe sowohl mit dem Kosovo als auch mit Serbien korrekte Beziehungen, erklärte der Sozialdemokrat. Die Erweiterung der EU auf dem Balkan sei eine der Prioritäten der tschechischen Außenpolitik.

Nach den Äußerungen Zemans steht die Teilnahme von Vertretern des Kosovos an einem für Donnerstag in Prag geplanten Gipfel auf der Kippe. Erwartet werden Vertreter der Visegrad-Länder Tschechien, Slowakei, Polen und Ungarn sowie der Westbalkan-Staaten. (apa)