Seit 2014 sitzt Martin Sonneborn im EU-Parlament, bei der Wahl im Mai errang auch "Partei"-Kollege Nico Semsrott ein Mandat. - © dpa/Kumm
Seit 2014 sitzt Martin Sonneborn im EU-Parlament, bei der Wahl im Mai errang auch "Partei"-Kollege Nico Semsrott ein Mandat. - © dpa/Kumm

Auf einem Korb mit Schwarzwälder Schinken und Kuckucksuhr gründet sich Martin Sonneborns Bekanntheit. Der damalige Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic" führte mit diesem Bestechungsangebot, um die Fußball-WM nach Deutschland zu bringen, die übel beleumundete Funktionärskaste vor. 2004 folgte die Gründung von "Die Partei". Sie stellt mittlerweile zwei Abgeordnete im EU-Parlament, auch bei der Wahl in Sachsen verbuchte sie im September Teilerfolge. In Österreich wartet Sonneborn - er trat vor kurzem im Wiener Stadtsaal auf - noch auf den Durchbruch, die "Partei" tritt nicht zur Nationalratswahl an.

"Wiener Zeitung": Das Ibiza-Video bedeutete den Anfang vom Ende der ÖVP-FPÖ-Regierung. Wie beurteilen Sie den laufenden Wahlkampf in Österreich?
Martin Sonneborn: Mehr als der Wahlkampf interessiert mich, dass Sie nun Spezialisten in der Regierung haben. Ich war gerade in Bergkarabach (zwischen Armenien und Aserbaidschan umstrittene Region, Anm.). Dort wird den Parlamentariern verboten, gut dotierte Nebenjobs in Industrie oder Wirtschaft zu haben. Und sie holen Spezialisten in Ministerämter, nicht verdiente Parteisoldaten. Das scheint in Österreich gerade auch gut zu funktionieren.

Martin Sonneborn bemüht sich um ein Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. - © WZ/Moritz Ziegler
Martin Sonneborn bemüht sich um ein Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. - © WZ/Moritz Ziegler

Ist Ihnen das Ibiza-Video angeboten worden?
Ich habe zu der Zeit mit Jan Böhmermann SMS ausgetauscht und er war erstaunt, dass ich nichts davon wusste. Anscheinend war ich der Einzige in Deutschland, dem es nicht angeboten wurde.

Was hätten Sie mit dem Video gemacht?
Eine schöne Serie auf YouTube. Und mehr als die sechseinhalb Minuten veröffentlicht.

Wäre das Video nicht eine gute Gelegenheit für den österreichischen Ableger Ihrer Partei gewesen?
Wir kämpfen bereits seit zwei, drei Jahren, an Wahlen teilzunehmen. Aber die Hürden sind sehr hoch. Kleine Schikanen, die wir nicht kennen in den zivilisierten Bundesländern Deutschlands.

Welche sind unzivilisiert?
Um zur EU-Wahl in Deutschland antreten zu können, braucht man 4000 Stimmen landesweit. Damit wir in Bayern an einer Kommunal- oder Landtagswahl teilnehmen, haben wir mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt und es damit nur in fünf von sechs Landesteilen auf die Wahlzettel geschafft. Österreich und Bayern sind auch hier ähnlich.

In welchen Bereichen noch?
Bayern, Sachsen, Österreich - das ist das Gleiche. Sie fühlen sich unterschätzt und haben Weltmachtanspruch.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat anscheinend einen Weltretteranspruch. Ständig bringt er nun Öko-Themen ein. Können Sie auch Vorschlägen etwas Gutes abgewinnen, wenn sie von einem Konservativen kommen?