Bratislava/Wien. (da/apa/afp) Drei Jahre nach ihrer Rückkehr aus dem Gebiet der Terrormiliz "Islamischer Staat" lebte Omaima A. unbehelligt in Hamburg. Diese Woche wurde die Deutsch-Tunesierin festgenommen. Sie sei dringend verdächtig, sich als Mitglied des IS beteiligt zu haben, erklärte die Bundesanwaltschaft. Zudem bestehe der dringende Tatverdacht der Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflicht.

Omaima A. reiste laut den Ermittlern 2015 mit ihren drei Kindern in ein vom IS beherrschtes Gebiet. Ihr damaliger Ehemann Nadir Hadra kämpfte demnach für die Miliz. Nach dem Tod Hadras bei einem Luftangriff erhielt sie Geld von der Miliz. Wenige Monate später soll sie ein weiteres IS-Mitglied geheiratet haben, den früheren Rapper Denis Cuspert. A. verließ 2016 Syrien, unter anderem wegen Streitigkeiten mit Cuspert, aber auch, weil ihr viertes Kind in Deutschland zur Welt kommen sollte.

Dschihadistinnen wie Omaima A. sollten einem Forschungsbericht zufolge als ernsthafte Bedrohung und nicht bloß als "Bräute" von Terroristen betrachtet werden. Eine Studie des Thinktank Globsec ergab, dass Frauen und Mädchen zwar eine Minderheit unter den in Syrien und dem Irak kämpfenden Dschihadisten bilden, viele aber eine erhebliche Bedrohung darstellen.

Hunderte Biografien untersucht

Grundlage der Studie waren Daten von 326 europäischen Dschihad-Kämpfern, die seit 2015 festgenommen, abgeschoben oder getötet wurden. Unter den 43 weiblichen Verdächtigen gebe es Fälle von "Anschlagsplanerinnen, aktiven weiblichen Rekrutierenden von Dschihadisten, Propagandistinnen" und solche, die Kämpfer beherbergt hätten. Die Forscher der in Bratislava beheimateten Denkfabrik rechnen damit, dass Frauen in Zukunft eine noch wichtigere Rolle bei der Planung und Ausführung von Terroranschlägen einnehmen werden.

Ein "beträchtliches und unkalkulierbares Gefährdungspotenzial" stellten Rückkehrer dar, sagte Peter Gridling, Direktor des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, bei der Präsentation des Verfassungsschutzberichtes. Ein wichtiges Thema sei auch "das Gefahrenpotenzial, das Frauen und Kinder nach ihrer Rückkehr möglicherweise aufweisen", so Gridling. "Hier werden wir im Falle der Rückkehr entsprechend Unterstützung aus der Zivilgesellschaft bauchen." Bis Ende 2018 seien mehr als 40 Frauen in das syrisch-irakische Kriegsgebiet ausgereist, mehr als die Hälfte von ihnen halte sich noch dort auf.

Derweil laufen die Vorbereitungen zur Rückholung von zwei Kindern einer österreichischen IS-Anhängerin aus Syrien weiter. Die Kinder der mutmaßlich ums Leben gekommenen Sabina S. sollen "in den nächsten Wochen" heimgeflogen werden, erklärte das Außenministerium vergangene Woche. Außerdem wird die Gefährdung von Maria G., die sich 2014 als Teenager dem IS angeschlossen hatte, geprüft. Sowohl Maria G. und ihre Kinder als auch die Kinder von Sabina S. befinden sich in dem kurdischen Internierungslager al-Hol in Nordsyrien.

In Deutschland gibt es bereits ein Gerichtsurteil gegen eine IS-Rückkehrerin: Sabine S. wurde im Juli wegen Mitgliedschaft im IS zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sie betrieb einen Propagandablog. Ein Sprecher des Stuttgarter Gerichts erklärte, von einer bloßen Haushaltsführung durch S. könne keine Rede sein.