Hektik herrscht nicht, doch große Betriebsamkeit dieser Tage in Berlin. Nicht einmal eine Woche haben die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD noch Zeit für eine Einigung auf die Klimaschutzziele. Am Freitag trafen sich die Spitzen der Koalitionspartner zu einer weiteren Verhandlungsrunde. Kommenden Freitag präsentiert dann die Regierung, wie Deutschland seine international vereinbarte CO2-Reduktion von 55 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 schaffen will. Das Problem: Derzeit sind erst 30 Prozent erreicht.

Große Anstrengungen stehen bevor, die mit enormen Kosten verbunden sind. Nichts zu tun, käme Deutschland allerdings auch teuer. Weil die CO2-Emissionen von Verkehr, Gebäuden und Landwirtschaft viel zu hoch sind, müssten ab 2021 Emissionsrechte von anderen EU-Ländern gekauft werden. Die Denkfabrik Agora Energiewende rechnet laut "Handelsblatt" mit Kosten von 30 bis 60 Milliarden Euro ab dem Jahr 2021 bis 2030.

Wie die Bürger entlasten?

Doch erst seitdem das Klima die Migration als wichtigestem Thema für die Bürger abgelöst hat, herrscht Konsens zwischen den Regierungspartnern, dass der Treibhausgas-Ausstoß bepreist werden soll. Zuvor stellte sich die konservative Union quer. Heute ist sich die Fraktion einig: "Preise müssen die Wahrheit sagen über das klimaschädliche CO2."

Über das Wie scheint nun Konsens zu herrschen. SPD-Umweltministerin Svenja Schulze weichte am Freitag ihre Forderung nach einer Steuer auf. Somit läuft alles auf das von CDU und CSU favorisierte Modell mit dem Verkauf von Rechten zum CO2-Ausstoß bei Kraftstoff, Gas und Heizöl hinaus. Großhändler erwerben die Rechte, deren Menge Jahr für Jahr verknappt wird. Damit steigt der Preis und - so das Kalkül - der Anreiz zur Vermeidung von Kohlendioxid.

Ob Steuer oder Zertifikatehandel: Sprit, Heizöl und Gas werden dadurch teurer. Die Koalitionspartner müssen für Entlastungen sorgen, und hier weichen die Vorstellungen von Union und SPD noch immer ab. Den Sozialdemokraten schwebt eine Pauschale vor, die höhere Fahrt- und Heizkosten auffangen soll. Die Union will die Strompreise per se senken, etwa, indem die Abgabe für die Förderung erneuerbarer Energien schrittweise reduziert wird. Davon würden nicht nur Privatpersonen profitieren, Nutznießer wäre auch die Industrie. Unternehmen will die SPD wiederum entlasten, indem die höheren Energiekosten erstattet werden.