Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung stammen Menschen, die nach Österreich zuwandern, großteils aus anderen EU-Ländern. Unter den Top zehn der Herkunftsländer von Migranten findet sich nur Syrien - auf Platz fünf - als nicht-europäisches Land. Die meisten Zuwanderer kamen 2017 aus Rumänien, Deutschland, Ungarn und Serbien, wie der am Mittwoch veröffentlichte "Migration Outlook" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt (siehe Grafik).

Weil innerhalb der EU die Personenfreizügigkeit gilt, kann Österreich den Zuzug aus diesen Staaten nicht beschränken. Den größten Zuwachs gab es bei Migranten aus Rumänien (plus 1200), den größten Rückgang bei Afghanen (minus 9600).

Die Zahl der Asylerstanträge ist 2018 um fast die Hälfte (48,3 Prozent) gesunken und betrug laut OECD rund 11.600. Der Großteil der Antragsteller kam aus Syrien (3300), Afghanistan (1800) und dem Iran (1000). Nicht einmal die Hälfte der Asylentscheidungen (43,5 Prozent) waren hierzulande positiv.

Die Auswirkungen der "Flüchtlingskrise" von 2015 und 2016, vor allem auf den heimischen Arbeitsmarkt, sind laut dem OECD-Experten Thomas Liebig "weitgehend verdaut", wie er im Gespräch mit der APA erklärte. "Das heißt aber natürlich nicht, dass es keine anderen Herausforderungen, etwa im Bereich der Integration gibt." Die kleine Gruppe der Zuwanderer habe jedenfalls keinen bedeutenden Einfluss auf Arbeitsmarkt und Beschäftigungszahlen. In Sachen Arbeitsmigration sticht Österreich laut Liebig heraus. Der Anteil der temporären Arbeitsmigranten ist mit vier Prozent (etwa 170.000 Personen) relativ hoch. In absoluten Zahlen ist das EU-weit der vierthöchste Wert.

Arbeitsmigration steigt

Insgesamt haben sich 2017 rund 99.000 neue Einwanderer langfristig oder dauerhaft in Österreich niedergelassen, das sind 6,7 Prozent weniger als 2016. Dabei beträgt der Anteil jener, die aus humanitären Gründen bleiben dürfen, nur 26 Prozent. Neun Prozent (8500) sind Personen, die im Zuge von Familienzusammenführung nach Österreich kamen.

Insgesamt ist die Zahl der Menschen, die sich in OECD-Ländern niedergelassen haben, mit 5,3 Millionen im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Die Zahl der Asylanträge ist indes gesunken.

Rund 1,09 Millionen Menschen suchten im vergangenen Jahr in den 30 OECD-Ländern um Asyl an - das ist ein Rückgang von 34 Prozent im Vergleich zu 2015 und 2016. Bei den Herkunftsländern liegt Afghanistan an der Spitze, gefolgt von Syrien, dem Irak und Venezuela. Auch die Zahl der registrierten, also bereits anerkannten Flüchtlinge ging in Folge der gesunkenen Zahl der Asylanträge zurück. Insgesamt ist die Zahl jener, die eine Aufenthaltserlaubnis in der OECD erhielten, 2017 um 28 Prozent gesunken.

Andere Formen der Migration sind hingegen im Steigen begriffen, etwa Arbeitsmigration (plus sechs Prozent). Temporäre Arbeitsmigration, also zeitlich begrenzte Auswanderung zu Arbeitszwecken, stieg laut dem OEDC-Bericht signifikant und betrug 2017 rund 4,9 Millionen (2016: 4,4). Polen ist dabei Hauptdestination - vor allem von Ukrainern -, gefolgt von den USA.

Die Chancen, als Migrant eine Arbeit zu finden, haben sich in der gesamten OECD verbessert. Im Schnitt haben über 68 Prozent der Zugewanderten eine Arbeit, die Arbeitslosigkeit liegt bei nur neun Prozent.

Integration durch Familie

Der bei weitem größte Teil der Zuwanderer ist mit einem Anteil von 40 Prozent aber jener, der durch Familienzusammenführung in OECD-Länder kommt. Dem Thema wird deshalb auch ein eigenes Kapitel im aktuellen Bericht gewidmet. Integration funktioniere jedenfalls besser, "wenn auch die Familie da ist", sagt Liebig.

Weltweit blieben die USA auch im zweiten Amtsjahr des rechtspopulistischen Präsidenten Donald Trump das OECD-Land mit den meisten Asylanträgen (254.000), erneut gefolgt von Deutschland (162.000). Während die Zahl der Asylanträge hier, ebenso wie in Österreich, Italien, Ungarn und der Türkei signifikant sanken, verzeichneten Frankreich, Spanien, Mexiko, Slowenien und Südkorea einen großen Anstieg.