Besucherschwund bei Automesse: Die Klimaproteste wirkten abschreckend. - © APAweb / afp, Lennart Stock
Besucherschwund bei Automesse: Die Klimaproteste wirkten abschreckend. - © APAweb / afp, Lennart Stock

Frankfurt. Die Automesse IAA in Frankfurt sucht nach einem dramatischen Besucherrückgang und Protesten von Klimaschützern nach einem Weg in die Zukunft. "Gemeinsam mit unseren Mitgliedern - Herstellern und Zulieferern - entwickeln wir ein neues Konzept für die IAA 2021", sagte der scheidende Präsident des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes.

Ob die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) auch künftig in Frankfurt stattfinden wird, ließ er offen.

Die knapp zweiwöchige Automesse endet am Sonntag, schon jetzt zeichnet sich ein deutlicher Besucherrückgang ab. "Wir gehen davon aus, dass bis Sonntagabend die Besucherzahl auf deutlich mehr als eine halbe Million Menschen steigen wird", sagte Mattes. Vor zwei Jahren hatte die IAA noch 810.000 Besucher angelockt.

Proteste wirkten abschreckend 

Nicht zuletzt schreckten Proteste von Klimaschützern, die am ersten Messewochenende zeitweise die Eingänge blockiert hatten, die Autofans ab. Mattes forderte in der Klimadebatte mehr Nüchternheit. "Die Attacken, die in den vergangenen Wochen gegen das Auto und insbesondere gegen den SUV geritten wurden, sind ein Zeichen einer überhitzten Diskussion", sagt er. "Wir stehen zu den Pariser Klimaschutzzielen, wir wollen die strammen EU-Ziele für 2030 erreichen. Aber wir sind davon überzeugt, dass das nur mit dem modernen Auto geht, nicht ohne das Auto."

Die Automesse litt nicht nur unter Anfeindungen von Klimaschutzaktivisten. Auch viele Hersteller und Zulieferer halten das Konzept der IAA für überholt. Die Zahl der Aussteller sank um ein Fünftel auf 800, die Ausstellungsfläche schrumpfte. Zunehmend mehr Autobauer stellen infrage, ob Messen noch ein gutes Instrument sind, um Kunden zu erreichen oder verlagern sich auf andere Messen wie die größte Ausstellung für Unterhaltungselektronik CES in Las Vegas oder den Mobile World Congress in Barcelona.

Toyota und Renault nicht vertreten

Mehrere große Hersteller aus dem Ausland - darunter der Volkswagen-Konkurrent Toyota, Frankreichs Nummer eins Renault oder der kriselnde italienisch-amerikanische Konzern Fiat Chrysler - waren auf der IAA gar nicht oder zumindest ohne Ausstellungsfläche dabei. Die deutschen Konzerne Daimler und BMW, die zurzeit mit Gewinnschwund zu kämpfen haben, präsentierten sich zwar auf der IAA, reduzierten aber ihre Ausstellungsflächen. Für die Premium-Anbieter sind Messen am weltgrößten Automarkt China wichtiger - so hat Shanghai der IAA den Rang als größte Messe weltweit mittlerweile abgelaufen.

Nun sucht der IAA-Veranstalter VDA nach einem neuen Konzept, um sich gegen einen weiteren Bedeutungsverlust zu stemmen. Zum Jahreswechsel oder kurz danach solle das neue Konzept stehen, sagte Mattes. Erst danach werde man eine Entscheidung zum Standort der IAA 2021 treffen. Entscheidend sei, welche Stadt das Konzept umsetzen wolle. (apa/reuters)