Brüssel/London. EU-Unterhändler Michel Barnier will die 27 bleibenden EU-Staaten am frühen Sonntagabend über den Stand der Brexit-Verhandlungen mit dem aus der EU austretenden Großbritannien informieren und Bilanz ziehen, hieß es laut Deutscher Presse-Agentur in diplomatischen Kreisen.

"Die Hoffnung ist, dass die britischen Unterhändler ausreichend Flexibilität gezeigt haben, um die Verhandlungen fortsetzen und rasch abschließen zu können", sagte ein EU-Diplomat. "Die Uhr tickt."

Am Donnerstag war nach einem Treffen des britischen Premierministers Boris Johnson mit seinem irischen Kollegen Leo Varadkar unerwartet Bewegung in den Brexit-Streit gekommen. Nach EU-Angaben hat London Zugeständnisse bei der Frage in Aussicht gestellt, wie künftig Zollkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland vermieden werden können.

Auch das britische Kabinett soll noch am Sonntag über den Stand der Brexit-Gespräche informiert werden. Das sagte der Vorsitzende des Unterhauses, Jacob Rees-Mogg, in einem Interview des Senders Sky News am Morgen. Die Unterhändler in Brüssel verhandeln im Streit über den geplanten EU-Austritt Großbritanniens derzeit hinter verschlossenen Türen über eine Einigung in letzter Minute.

Hardliner wirbt für Zugeständnisse

Rees-Mogg, der als Brexit-Hardliner in der konservativen Regierungspartei gilt, hatte zuvor in einem Gastbeitrag im "Sunday Telegraph" für moderate Zugeständnisse an die EU geworben.

Die "Times on Sunday" berichtete unter Berufung auf eine ungenannte Quelle, Johnson wolle am Montagabend mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen, um auszuloten, ob eine Einigung möglich sei. Der britische EU-Austritt ist für den 31. Oktober vorgesehen. (apa/dpa/reuters)