Als US-Vizepräsident Mike Pence Pence in Ankara vor die Presse trat, verkündete er etwas, woran niemand mehr geglaubt hatte: Man habe sich auf eine Waffenruhe geeinigt, die Türkei werde ihren Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien fünf Tage lang stoppen, sagte Pence.

Ein überraschendes Ergebnis. Hatte Erdogan doch kurz vor der Anreise der US-Delegation klargemacht, dass er weder mit "Terroristen" verhandle, wie er die YPG nennt, noch auf eine Waffenruhe eingehen werde und schon gar nicht Vermittler wie die USA brauche. Was bedeutet die Vereinbarung nun für die verschiedenen Parteien?

TÜRKEI: Erdogan trat am Donnerstag nicht mehr vor die Presse. Vielleicht wollte er sich nicht "nur" mit einem Vizepräsidenten zeigen, vielleicht rieb er sich auch hinter den Kulissen die Hände. Denn das, was diese Vereinbarung für die Türkei bedeutet, fasste sein Außenminister Cavusoglu in einem Satz zusammen: "Wir haben bekommen, was wir wollten." Die Türkei erhielt tatsächlich das, was sie mit dem Einmarsch in Nordsyrien von Anfang an zu erreichen hoffte: den Rückzug der Kurdenmiliz aus der Grenzregion.

Erdogan hatte zwar gesagt, dass er "niemals" eine Waffenruhe erklären werde. Aber der Teufel steckt im Detail: Er hatte auch gesagt, dass die Türkei erst ihr Ziel einer sogenannten Sicherheitszone erreichen und die YPG entlang der Grenze vertreiben müsse. Diese Zusage - den Abzug der Kurdenmilizen - hat er nun von den USA auf dem Silbertablett serviert bekommen. Für das Wort "Waffenruhe" ließ sich auch eine pragmatische Lösung finden. Die Türkei bezeichnet sie einfach nicht als solche.

Schon lange zuvor liefen Gespräche zwischen den USA und der Türkei über eine Sicherheitszone an der syrischen Grenze. Allerdings gab es unter anderem Streit über Ausdehnung und Kontrolle eines solchen Gebiets. Auch jetzt in der gemeinsamen Erklärung ist keine festgelegte Größe erwähnt. Der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition, James Jeffrey, sagte später zu Journalisten, aus Sicht der USA gehe es um ein Gebiet, in das die Türkei während ihrer Offensive schon vorgedrungen sei und wo zurzeit noch gekämpft werde. Cavusoglu dagegen betonte erneut, Ziel sei eine Zone von mehr als 400 Kilometern Länge und rund 30 Kilometern Tiefe, die bis zur irakischen Grenze reiche. Hier könnte neues Konfliktpotenzial liegen.