Einen Monat nach seinem aufsehenerregenden Austritt aus dem Partito Democratico (PD), der Partei, die er fünf Jahre lang als Vorsitzender geführt hat, macht sich Italiens Ex-Premier Matteo Renzi politisch selbstständig. Am morgigen Samstag hebt er seine neue Mitte-Links-Partei Italia Viva aus der Taufe.

Offiziell gegründet wird die Partei, der sich rund 40 Parlamentarier und zwei Minister angeschlossen haben, bei der an diesem Wochenende in Renzis Heimat Florenz geplanten Tagung im Kongresszentrum Leopolda. Die Leopolda, wie die jährliche Ideenwerkstatt und das Kongresszentrum nach dem stillgelegten florentinischen Bahnhof benannt sind, organisiert Renzi bereits seit zehn Jahren. Diesmal ruft Renzi seine Anhänger zusammen, um die Gründungsfeier der neuen Partei zu zelebrieren.

Regierung Conte von Renzi abhängig

Vorgestellt wird auf dem Kongress auch das offizielle Parteilogo, für das Renzi im Internet eine Abstimmung lanciert hat, und das Programm der neuen Mitte-Links-Partei. Der Toskaner verspricht zwar, der Regierung Conte die Treue zu halten und beließ auch seine Minister im Kabinett. Dennoch kann er die Regierung Conte jederzeit unter Druck setzen und stürzen. Italia Viva sei ein Versuch, das klassische Parteiensystem des 20. Jahrhunderts zu überwinden, sagte Renzi und verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Bewegung La Republique En Marche des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Renzi, der 2014 mit 39 Jahren zum jüngsten italienischen Premier der Geschichte aufgestiegen war, hat eine politische Achterbahn-Karriere hinter sich. Nachdem seine PD bei den Europawahlen 2014 ein Rekordhoch von 40 Prozent der Stimmen eingefahren hatte, scheiterte er mit seinem Anspruch, ein großer Reformer zu werden. Zu arrogant und selbstverliebt trat der ehemalige Bürgermeister von Florenz auf. Die Verfassungsreform, die seinen Ambitionen besonderen Glanz hätte verleihen sollen, scheiterte bei einem Referendum im Dezember 2016 spektakulär. Daraufhin trat Renzi vom Amt des Regierungschefs zurück, blieb jedoch zunächst Chef der Sozialdemokraten.

Bei den Parlamentswahlen im März 2018 stürzte seine Mitte-Links-Partei dann auf ein Rekordtief von 18 Prozent ab, Renzi trat auch als PD-Chef ab. Seitdem war der 44-Jährige einfacher Parlamentarier, tüftelte jedoch hinter den Kulissen unermüdlich an seinem Comeback. Die große Gelegenheit kam für ihn mit der unerwarteten August-Krise. Renzi setzte sich als Fädenzieher ein, um eine Regierung aus PD und Fünf Sterne unter Contes Führung auf die Beine zu stellen. Renzi trat dem Kabinett nicht bei und sorgte kurz nach dem Antritt der Regierung für die Parteispaltung.

Ob sein politisches Projekt erfolgreich sein wird, ist fraglich. Laut Umfragen muss sich Italien Viva vorerst mit einem Dasein als Splitterpartei begnügen. Laut jüngsten Erhebungen kommt Italia Viva auf nicht mehr als vier Prozent der Stimmen. Renzi ist jedoch zuversichtlich. "Wir werden wachsen und eine Protagonistenrolle im Mitte-Links-Lager spielen", versicherte der Ex-Premier. (apa)