London, 27. Okt (Reuters) - Wenige Tage vor dem geplanten Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ringt die oppositionelle Labour-Partei weiter um einen klaren Brexit-Kurs. Erst wenn Premierminister Boris Johnson dem Parlament zusage, dass es keinen ungeregelten Austritt am 31. Oktober geben werde, wolle man seiner Forderung nach Neuwahlen im Dezember zustimmen, sagte die Labour-Abgeordnete Diane Abbott am Sonntag der BBC. Der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Jon Ashworth, forderte auf Sky News dagegen die EU auf, zunächst einer Verschiebung des Austrittsdatums zuzustimmen.

Die 27 EU-Botschafter hatten sich bereits Ende der Woche grundsätzlich darauf geeinigt, Großbritannien erneut einen Aufschub zu gewähren, hatten allerdings keine formelle Entscheidung getroffen. Zunächst wolle man abwarten, wie sich die britische Regierung und das Unterhaus aufstellen, lautete die Begründung nach Auskunft von EU-Diplomaten. Es gehe um innerbritische Parteipolitik.

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Johnson hatte auf Druck des Parlaments ein Schreiben an die EU-Kommission mit der Bitte um eine Verlängerung bis zum 31. Januar 2020 gesandt, dieses jedoch nicht unterschrieben. Stattdessen distanzierte er sich in einem zweiten, unterschriebenen Brief an Brüssel von einer Verschiebung.

Der frühere Finanzminister Philip Hammond kündigte unterdessen an, dass er am Montag nicht für Johnsons Forderung nach vorgezogenen Neuwahlen im Dezember stimmen werde. "Es ist jetzt nicht die Zeit, Parlamentswahlen abzuhalten. Es ist Zeit für kühle Köpfe und ein erwachsen handelnde Regierung", sagte Hammond, der ein Parteikollege Johnsons ist, zu "Sky News". Laut Umfragen läge Johnsons konservative Partei bei einer Wahl klar vor Labour. (reuters)