Erfurt. Er ist der rechte Scharfmacher in der AfD: Björn Höcke provoziert, pöbelt und spaltet. Mit seinem Erfolg bei der Landtagswahl dürfte der Einfluss des 47-Jährigen weiter wachsen. Dass er per Gerichtsbeschluss Faschist genannt werden darf und sein "Flügel" im Visier des Verfassungsschutzes ist, schreckte die Wähler nicht ab: Höcke konnte das AfD-Ergebnis in Thüringen mehr als verdoppeln. 

Die Thüringer hätten sich "von Hass und Hetze" nicht beeindrucken lassen, sagte er am Wahlabend an die Adresse seiner Widersacher. Höcke ist das Gesicht der AfD-Rechtsaußengruppe "Flügel" und auch in der eigenen Partei umstritten.

In Nordrhein-Westfalen geboren und in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, unterrichtete Höcke viele Jahre an Gymnasien in Hessen, 2014 ließ er sich beurlauben. Etwa im Jahr 2008 siedelte er mit seiner Familie nach Thüringen um, ins Dorf Bornhagen an der hessischen Grenze. Als sich im Frühjahr 2013 die AfD formierte, war Höcke Mitbegründer des Landesverbands Thüringen, im August 2013 übernahm er den Landesvorsitz. Bei der Landtagswahl 2014 zog die AfD mit 10,6 Prozent in den Erfurter Landtag ein, Höcke ist seitdem Fraktionschef.

Die Liste von Höckes verbalen Ausfälle ist lang

Einem größeren Publikum ist Höcke spätestens seit Oktober 2015 bekannt: Als Talkshowgast bei Günther Jauch zum Thema "Pöbeln, hetzen, drohen - wird der Hass gesellschaftsfähig?" dekorierte er seinen Sessel mit einer Deutschlandflagge und nutzte die Bühne für rechtspopulistische Parolen.

Die Liste seiner verbalen Ausfälle ist lang. So wetterte er in rassistischer Diktion gegen einen angeblichen "Volkstod durch Bevölkerungsaustausch". Auf einer AfD-Kundgebung 2016 in Erfurt pöbelte er, Deutschland werde "von Idioten regiert" und forderte eine "Zwangsjacke" für die Kanzlerin.

Ein Beinahe-Parteiausschluss

Seine "Dresdner Rede" im Jänner 2017 wollte dann auch die damalige Bundesspitze nicht hinnehmen: Höcke sprach offenbar in Anspielung auf das Berliner Holocaustmahnmal von einem "Denkmal der Schande" und forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad". Der Parteivorstand beschloss unter Federführung der damaligen AfD-Chefin Frauke Petry ein Ausschlussverfahren.