Hochburgen, sie waren einmal. Das erfährt die CDU in Thüringen derzeit besonders schmerzhaft. 1999 noch mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet und bis 2014 fast ein Vierteljahrhundert an der Regierungsmacht, mussten die Konservativen nun bei der Landtagswahl den Absturz auf Rang drei hinter Linkspartei und AfD hinnehmen. Es gärt - auch in der Bundes-CDU. Das zeigt die uneinheitliche Linie, ob Thüringens Landespartei eine von der Linken geführte rot-rot-grüne Minderheitsregierung zumindest tolerieren soll.

Die einzigen beiden rechnerisch möglichen Koalitionsvarianten mit CDU-Beteiligung - AfD, CDU und FDP sowie Linkspartei und CDU - sind in der Praxis ausgeschlossen. Denn laut Parteitagsbeschluss lehnen die Konservativen sowohl eine Zusammenarbeit mit der SED-Nachfolgepartei als auch den Nationalpopulisten ab. Auch die SPD schließt ein Bündnis mit der AfD aus, und mit der Linkspartei zumindest auf Bundesebene.

Da die Hochburgen der einstigen Volksparteien bröckeln, sind immer mehr Parteien für eine Koalitionsbildung notwendig. Alleinregierungen sind ohnehin passé, doch nur noch in der Hälfte der 16 Bundesländer gibt es Zweierkonstellationen. Sie finden sich vorwiegend in der "alten Bundesrepublik": in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und im Saarland. Nur ein einziges der sechs Ost-Bundesländer, Mecklenburg-Vorpommern, wird von lediglich zwei Parteien regiert - SPD und CDU.

Wo Schwarz-Rot noch funktioniert

Ausgerechnet die im Bund so ungeliebte Koalition zwischen Schwarz und Rot ist die häufigste Regierungsform in den Bundesländern. Neben Mecklenburg-Vorpommern findet sie sich auch in Niedersachsen und im Saarland. Dort agieren die Regierungsparteien geräuschlos, tragen nicht jede Meinungsverschiedenheit medienöffentlich aus. Umso verärgerter sind die Ministerpräsidenten über das Schauspiel ihrer Parteien in der Bundesregierung, für das sie von den Wählern daheim abgestraft werden.

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Kritik übt nun auch der im Rennen um den CDU-Vorsitz 2018 unterlegene Friedrich Merz. Sein Furor richtet sich nicht gegen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, er legt Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen "mangelnder Führung" den vorzeitigen Abtritt nahe. Merz macht seine Kritik an der Grundrente fest, einem Pensionsaufschlag, über dessen Details die konservative Union und die SPD seit Monaten erfolglos verhandeln.

Hauptprofiteure der schwarz-roten Dauerdebatten sind bisher AfD und Grüne. Jene 5,2 Prozent für die Öko-Partei in Thüringen zeigen aber auch, dass der Aufstieg kein Selbstläufer ist. Über derartige Wahlergebnisse im Osten der Bundesrepublik kann die AfD nur milde lächeln. Lediglich in Berlin liegt sie mit 14,2 Prozent unter der 20-Prozent-Marke, 27,5 Prozent bei der Wahl in Sachsen im September markieren das bisherige Allzeit-Hoch - nur sechs Jahre nach Parteigründung.