Seit knapp einer Woche ist das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" auf dem Mittelmeer unterwegs. Derzeit sind noch knapp 90 Migranten an Bord. Am Freitag ist die "Alan Kurdi" eigenmächtig in italienische Hoheitsgewässer eingefahren. Die Organisation Sea Eye, Betreiberin des Schiffes, begründete das mit dem schlechten Wetter. Dem Schiff sei noch immer kein sicherer Hafen zugewiesen worden. "Das Wetter wird immer schlechter, die Leute an Deck werden nass, wir haben am frühen Nachmittag entschieden, dass das Schiff Schutz in der Nähe der Küste suchen muss", sagte Sea-Eye-Sprecher Gordon Isler der Deutschen Presse-Agentur. Man habe die italienischen Behörden informiert. Diese hätten die Entscheidung zur Kenntnis genommen. Das Schiff befinde sich ungefähr fünf Seemeilen vor Marzamemi an der Südostecke Siziliens. Die "Alan Kurdi" hatte die Migranten am Samstag voriger Woche an Bord genommen. Sie waren von einem Schlauchboot gerettet worden.

Eine 20-jährige Migrantin, die sich seit einer Woche an Bord befand, war zuvor am Freitag, als sich das Schiff noch außerhalb der italienischen Territorialgewässer vor der Insel Lampedusa befand, von einem Schiff der italienischen Küstenwache aufgenommen worden. Aus Gründen ihrer Gesundheit wurde die Frau nach Italien gebracht, hatte Sea Eye mitgeteilt.

Bei der Rettung der Migranten aus dem Mittelmeer war die Besatzung der "Alan Kurdi" nach eigenen Angaben am vergangenen Samstag von libyschen Streitkräften mit Schusswaffen bedroht worden. Drei libysche Schiffe hätten die "Alan Kurdi" bedrängt, Maskierte hätten Warnschüsse in die Luft und ins Wasser abgegeben. Viele Migranten seien in Panik ins Wasser gesprungen, auch sie seien mit Maschinenpistolen bedroht worden. Die "akute Bedrohungssituation" sei später vorbei gewesen, die Libyer hätten abgedreht, berichtete die Crew. (apa)