Ein Gesetz zum Verbot der sogenannten Konversionstherapie ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich in Arbeit. - © APAweb / apa / Herbert Neubauer
Ein Gesetz zum Verbot der sogenannten Konversionstherapie ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich in Arbeit. - © APAweb / apa / Herbert Neubauer

"Diese angebliche Therapie macht krank und nicht gesund," argumentiert der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn seine Pläne für ein gesetzliches Verbot von Behandlungen gegen Homosexualität. Die so genannten "Konversionstherapien" sollen bei unter 18-Jährigen generell untersagt werden, zitierten deutsche Zeitungen aus einem Gesetzentwurf des Gesundheitsministeriums.

Bei einwilligungsfähigen Volljährigen wären diese Behandlungen jedoch grundsätzlich mit bestimmten Einschränkungen zulässig, heißt es weiter in dem Bericht. Die Zulässigkeit gelte allerdings nicht, wenn Menschen, die bei ihrer Entscheidung, sich behandeln zu lassen, einem "Willensmangel" unterlägen - bedingt etwa durch Täuschung, Irrtum, Zwang oder Drohung. Verstöße gegen das neue Gesetz sollten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder hohen Bußgeldern geahndet werden.

Minister Spahn sagte dem RND, sogenannte Konversionstherapien sollten soweit wie möglich verboten werden. "Wo sie durchgeführt werden, entsteht oft schweres körperliches und seelisches Leid", sagte der bekennende Homosexuelle.

"Es ist ok, so wie du bist."

Homosexualität sei keine Krankheit - "und ein Verbot ist auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen an allen, die mit ihrer Homosexualität hadern: Es ist okay, so wie du bist", betonte Spahn.

Spahn plant demnach, auch das Bewerben, Anbieten und Vermitteln solcher Behandlungen zu verbieten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollen die Regelungen des Gesetzes auch für seelsorgerische und psychotherapeutische Gespräche zur Anwendung kommen: "Das Verbot gilt immer dann, wenn der Gesprächspartner unzulässig Einfluss zu nehmen versucht auf die sexuelle Orientierung oder die selbst empfundene geschlechtliche Identität eines Betroffenen", zitiert das RND das Ministerium.

Hintergrund des Vorstoßes ist laut Gesundheitsministerium, dass auch in Deutschland immer noch Behandlungen gegen Homosexualität angeboten werden. In der medizinischen Fachwelt herrsche seit Jahren Konsens, dass diese schwerwiegende psychische Belastungen wie Depressionen, Angsterkrankungen und ein erhöhtes Suizidrisiko nach sich ziehen können. Zudem gebe es keine Belege für die Wirksamkeit.

Laut Gesetzentwurf können sogenannte Konversionstherapien unter bestimmten Voraussetzungen bereits nach gegenwärtiger Rechtslage strafbar sein, wie das RND berichtete - etwa als Körperverletzung. Der Schutz durch diese Vorschriften sei jedoch unzureichend.

Auch Österreich arbeitet an entsprechendem Gesetz

Von den Verbotsregelungen des Gesetzes seien Behandlungen bei Störungen der Sexualpräferenz wie Exhibitionismus oder Pädophilie ausgenommen, heißt es in dem Bericht. Auch gälten sie nicht für Behandlungen bei Störungen der Geschlechtsidentität. Dabei gehe es um Fälle, bei denen sich jemand nicht mit seinem biologischen Geschlecht identifizieren kann und daher eine Geschlechtsumwandlung anstrebt.

Auch in Österreich ist die Bundesregierung mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzes beauftragt. Im Juli nahm der Nationalrat einstimmig einen von der SPÖ vorangetriebenen Entschließungsantrag bezüglich eines Gesetzes an, mit dem die Ausübung von Konversions- und "reparativen Therapieformen" zur sexuellen Umorientierung an Minderjährigen verboten wird. (apa/afp)