Brüssel/Bukarest/London. In Rumänien hat das neue liberale Minderheitskabinett unter Premierminister Ludovic Orban (PNL) am Mittwoch auf seiner ersten Regierungssitzung beschlossen, die beiden Europaabgeordneten Adina Valean und Siegfried Muresan (beide PNL) als EU-Kommissarskandidaten vorzuschlagen.

Kurz später folgte auch schon die Entscheidung der gewählten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Sie entschied sich für die 51-jährige Adina Valean, Vorsitzende des Energie- und Industrieausschusses des Europaparlaments. Valean ist eine der einflussreichsten Europaabgeordneten des Landes und gilt als integer und kompetent.

Auch für das Europaparlament dürfte die Personalie akzeptabel sein. Die Abgeordneten hatten die drei von der Vorgängerregierung unter Viorica Dancila (Postkommunisten) aufgestellten Kandidaten Rovana Plumb, Dan Nica und Victor Negrescu der Reihe nach abgelehnt.

Laut einem Sprecher von der Leyens soll Valean in der neuen EU-Kommission für das Verkehrsportfolio zuständig sein. Zu diesem Thema habe sie in ihrer Karriere schon viel Erfahrung gesammelt.

Geschlechterparität als Ziel

Von der Leyen will ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in der EU-Kommission und ist daher auf weibliche Kandidatinnen angewiesen. Das betrifft auch die Nominierung aus Großbritannien - obwohl das Land, das die EU am 31. Jänner verlassen soll, nur der Form halber jemanden nach Brüssel schicken muss. Dafür soll es nun schnell gehen: Von der Leyen hat Premier Boris Johnson schriftlich aufgefordert, "so schnell wie möglich" einen EU-Kommissar zu nominieren - oder besser: eine Kommissarin. Das widerspricht allerdings der Variante, die bisher als wahrscheinlich galt: Dass der Brite Julian King, derzeit EU-Sicherheitskommissar, bis zum Brexit im Amt bleibt.

Nicht nur von der Leyen will ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in der EU-Kommission, auch das Europaparlament fordert Parität ein. Sozialdemokraten und Grüne verlangen mehr weibliche Ersatzkandidaten. "Das ist eine klare Bedingung dafür, dass wir die künftige EU-Kommission unterstützen", sagte Iratxe Garcia, Fraktionschefin der Sozialdemokraten, am Mittwoch. Die neue EU-Kommission soll mit einem Monat Verspätung am 1. Dezember ihr Amt antreten.(apa/dpa)