Am 11. November 1989 mit Blickwinkel aus dem nunmehr ehemaligen Westberlin. - © AFP
Am 11. November 1989 mit Blickwinkel aus dem nunmehr ehemaligen Westberlin. - © AFP

Im November 1989 war die DDR in fast allen Wirtschaftszweigen auf den Stand eines Entwicklungslandes zurückgefallen. Entsprechend groß war die Unzufriedenheit ihrer Bewohner. Für die DDR nahm das Unheil seinen Lauf, auch wenn man es in der SED-Führung nicht - oder noch nicht - zur Kenntnis nahm.

Es war Ungarn, das den Stein ins Rollen brachte. Was den DDR-Bürgern verwehrt wurde, erhielten die Ungarn ab dem 1. Jänner 1988: einen Reisepass, mit dem sie reisen konnten, wohin sie wollten. Im März 1989 trat Ungarn als erstes Ostblockland der Genfer Flüchtlingskonvention bei, die die zwangsweise Rückführung politischer Flüchtlinge untersagte, was man bis dahin mit DDR-Flüchtlingen gemacht hatte. Und am 2. Mai begannen ungarische Grenzsoldaten mit der Beseitigung des Stacheldrahtverhaus an der Grenze zu Österreich. Die Sperranlagen waren sinnlos geworden - und ihre Erhaltung zu teuer.

Ansturm in Ungarn

Am 27. Juni wurde der Grenzzaun von Ungarns Außenminister Gyula Horn und seinem österreichischen Kollegen Alois Mock noch einmal in einer feierlichen, freilich nur noch symbolischen Aktion wiederholt. Diese Bilder in den westlichen Medien konnten die Menschen in der DDR sehen (mit Ausnahme jener im sogenannten "Tal der Ahnungslosen" , d. h. Sachsen, wo es keinen Westempfang gab). Dann setzte jener Ansturm von DDR-Touristen nach Ungarn ein, der zu einer Massenbewegung wurde. Über Ungarns Plan, die Grenzanlagen zu beseitigen, hatten die Ungarn Anfang 1989 Gorbatschow offiziell unterrichtet. Gorbatschow ließ den Ungarn freie Hand und erklärte wörtlich, er sehe dabei überhaupt kein Problem. Die Frage bleibt, ob er die Tragweite seiner Entscheidung damals ermessen hat.

Tatsache ist, dass am 19. August 1989 das inzwischen berühmte paneuropäische Picknick in der Nähe der Stadt Sopron die nächste Station auf dem Weg zum Untergang der DDR wurde. 600 DDR-Bürger nutzten die Veranstaltung zur Flucht nach Österreich. Wobei wir inzwischen wissen, dass Ungarns Ministerpräsident Németh mit dieser ersten kleinen Grenzöffnung die sowjetischen Reaktionen testen wollte. Moskau blieb stumm.

Am 2. Mai hatte jemand den Satz gesagt, damit sei die Mauer gefallen, sie wisse es nur nicht. Sie fiel, als Budapest am 22. August den Grundsatzbeschluss fasste, die DDR-Deutschen ziehen zu lassen. Am 25. August kam es zu einem streng geheimgehaltenen Treffen zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher sowie Ungarns Ministerpräsident Németh und Außenminister Horn auf Schloss Gymnich bei Bonn.

Ungarn öffnete dann seine Grenze zu Österreich in der Nacht vom 10. auf den 11. September und lehnte in der Folgezeit jede Intervention der DDR entschieden ab. Binnen 24 Stunden nutzten damals 10.000 DDR-Bürger die Fluchtmöglichkeit in den Westen; bis Ende September waren es bereits 32.500. Ungarn erhielt von Kohl eine Kreditzusage in Höhe von einer Milliarde DM.